kontraintuitiv

Einer meiner Lieblingsbegriffe lautet „kontraintuitiv“. Das ist, Sie ahnen es: wenn Dinge nicht so sind, wie wir intuitiv annehmen würden. Kommt ganz oft vor in der Sozialpsychologie, die Teil meines Studiums der Diplompädagogik vor Jahren mal war. Stammt, wenn ich es richtig sehe, ursprünglich aus dem Fachbereich Philosophie und ist auch in der Soziologie offenbar nicht ganz selten, zumindest laut Google.

Dinge, die nicht so sind, wie man so denkt, werden in allen Disziplinen vorkommen, in denen Menschen denken – oder besser: Annahmen treffen und dann vielleicht denken, forschen und wieder denken. Nehme ich an. Ganz häufig offenbar auch in der Biologie. Zumindest habe ich aus diesem Bereich in den vergangenen Wochen einige kontraintuitive Nachrichten gelesen.

Hätten Sie zum Beispiel gedacht, dass sich Wölfe kooperativer und toleranter verhalten, als Hunde? Steht im Wissenschaftsblog I fucking love science. Hunde dagegen setzen instinktiv mehr auf Befehl und Gehorsam – also klare und bedingungslose Hierarchien.

Und wer ist wohl gefährlicher? Raubkatze oder Hauskatze? Raubkatze stimmt sicherlich mit Blick auf uns Menschen. Für ihre Beutetiere jedoch sind Hauskatzen weit gefährlicher. Während nämlich Raubkatzen nur dann auf die Jagd gehen, wenn sie hungrig sind und sich ansonsten nicht die Mühe machen, jagen die Samtpfötchen jedes auch nur irgendwie beutetierartige Tier oder Etwas, das ihnen so unterkommt. Weil es ihnen Spaß macht, steht in der Augustausgabe der Zeitschrift GEOlino, die meine bald zehnjährige Tochter regelmäßig liest. Mäuse fallen da also nicht nur dem Hunger zum Opfer, sondern auch dem Spieltrieb. 

Vor einiger Zeit habe ich mir mit Blick auf diese Art überraschend anmutender Nachrichten mal Gedanken drüber gemacht, was wir daraus für unsere Entscheidungen lernen können. Steht im TRIALOG-Unternehmerblog.

 

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Wendepunkte

Vorhin im Radio kam eine Sendung, die ich sehr interessant fand. Ich habe sie noch nicht ganz angehört. In der diskutieren ein paar Historiker über Wendepunkte der Geschichte. Die – ich bin keine Historikerin – sogenannte kontrafaktische Sichtweise. Oder auch die Frage: “Hätte alles anders kommen können, wenn…?”

Historiker sind offenbar mittlerweile wieder davon ab, Dinge so zu sehen. Meist – so meinte einer der Historiker – sei es bei genauerer Betrachtung eben nicht ein Ereignis, das den Lauf der Geschichte bestimme. Die Betrachtung von vermeintlichen Wendepunkten sei eher etwas für Populärwissenschaftler. Und Journalisten natürlich. Überhaupt Geschichtenerzähler.

Die Frage „Was wenn…?“ ist ja auch interessant. Andererseits völlig überflüssig, wenn Dinge bereits gelaufen sind. Auch für das eigene Leben gilt wahrscheinlich, was der Historiker sagt. Wäre, hätte, könnte – ganz egal.

All future is mystery. Die, die wird ebenso wie die die sein könnte. Um wie vieles mehr also Vergangenheit, die hätte sein können.

33

vor ein paar Tagen ist ja der 33 Monate alte Orakel-Krake Paul gestorben (siehe Newsletterausgabe vom 28.10.).

33. Da war doch mal was mit der 33, habe ich mir da gedacht.

Gleich nach links zu der zwei Wochen alten Ausgabe des Kölner „Express“ gegriffen. Genau. Da war es. Am 14. Oktober gleich mehrere Seiten voll mit Artikeln über die Rettung der chilenischen Grubenkumpels, die einen Tag zuvor geglückt war. Hochdramatisch.
Wahrscheinlich erinnern Sie sich noch daran. Die Kumpels waren am 5. August in einem Kohleschacht in der chilenischen Atacama-Wüste verschüttet worden. Und am 13. Oktober waren sie wieder frei.

Unter der Überschrift „Die Magie der Zahl 33“ stand da, die Zahl 33 gebe den ohnehin wundergläubigen Chilenen Rätsel auf. Schon das Datum (13.10.10) ergebe die Zahl 33, berichtete die Boulevardzeitung da.

Solche Aussagen reizen mich doch gleich zum Nachrechnen. Berufskrankheit.

Ich kann nichts dafür. Wahrscheinlich, weil es so einfach ist. Und? Es stimmt, wenn sie 13 plus 10 plus 10 rechnen. Aber es stimmt nicht, wenn sie das Jahr ausschreiben (2010). Das ergibt dann 2033. Und wenn Sie einfach die Quersumme bilden (1 plus 3 plus 1 plus 1 – die Nullen ergeben schließlich null und nix), dann stimmt es auch nicht. Das ergibt 6. Gut: immerhin ist das wiederum die Quersumme von 33 …

Der Bohrer soll laut Bericht exakt 33 Tage gebraucht  haben, um den Rettungsschacht zu den 33 Verschütteten zu bohren. Ich habe mal gezählt. Egal wie – es gab offenbar zwei Bohrungen, die zweite mit mehr Erfolg: Ich komme wieder nicht auf 33. Wenn ich den ersten Versuch mitzähle, sind es bei mir 43 Tage. Wenn ich nur den zweiten Versuch rechne, immerhin noch 38 Tage. Jedenfalls nicht 33. Ob der Bohrer – Typ Schramm – mal pausiert hat? Oder die Zeitung die falschen Daten nennt? Das nachzuprüfen, die Mühe habe ich mir dann nicht gemacht.

Etwas einfaches: Die Botschaft der Kumpels („Estamos bien en el refugio – los 33“ – „Wir 33 im Schutzraum sind wohlauf“) bestehe mit Leerzeichen aus 33 Anschlägen, schrieb der Express. Dumm nur: Mein Programm zählt 35 Zeichen. Ich also gegoogelt. Da finden sich dann auch Varianten des Satzes ohne Bindestrich.

Das ergibt tatsächlich 33 Zeichen. Immerhin.

Aber ansonsten: Dumm gelaufen. Ich habe ja auch noch nie wirklich an so etwas, also Numerologie, geglaubt. Auch mit Astrologie tue ich mich ja schwer (siehe Newsletterausgabe vom 12.05.2009). Unterhaltend finde ich so etwas aber schon. Wirklich. Ich stelle mir vor, dass sich da sicher ein paar Leute über diese „Wahnsinnszufälle“ gefreut haben. Aber eben leider zu früh.

Allerdings kommt es wirklich nicht nur in Boulevardredaktionen vor, dass Kollegen einfachste Rechenübungen unterlassen, das muss ich zur Ehrenrettung der Kollegen schon sagen.

Trotzdem – als Finanzmensch wissen Sie ja selbst: Nicht nachrechnen ist ein Fehler.

Der Mann, der übrigens das Licht am Ende ausmachte, war ein Techniker, Manuel Gonzalez, wenn es stimmt, was der Express noch so schrieb. Er war der erste von fünf Helfern, die an dem großen Tag in die Grube heruntergelassen wurden. Und er war der letzte, der unten ausharrte, während die leere Rettungskapsel zu ihm herunterfuhr, stand da. Gefreut habe ich mich, dass die Kumpels zwar ihren Job los sein sollen, aber dafür angeblich millionenschwere Angebote für Film- und Buchprojekte sowie Exklusiv-Interviews bekommen haben. Ich hoffe, wenigstens das stimmt wirklich.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 02.11.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Kürbissuppe

neulich haben wir meinen Geburtstag nachgefeiert. Kleine Fete für groß und klein, mit Kuchen am Nachmittag und zum Abend hin Kürbissüppchen.

Ich stand mit einer Freundin am Herd. Wir haben fröhlich vor uns hin gewürzt. Sie: „Ich dachte, Halloween-Kürbisse kann man nicht essen.“ Tiefer Blick nach links in ein Paar leicht verunsicherte blaue Augen. Ich: „Weißt Du was? Ich hätte dich fast angerufen, um zu fragen, ob Du meinst, dass man Halloween-Kürbisse essen kann …“

Es war schon spät an diesem Nachmittag, bestimmt halb sechs. Alle Gäste waren schon da, sogar die späten. Das Süppchen war püriert. Nur ein paar Gewürze mussten noch rein. Es war keine Zeit mehr, Hokkaido-Kürbisse einzukaufen, geschweige denn zu kochen. Die essen wir sonst immer. Sie leuchten schön orange. Dieser hier war innen blassgelb. Und irgendwie weicher. Und trockener. Fast mehlig.

Ich: „Warum sollte man Halloween-Kürbisse nicht essen können? Man kann doch alle Kürbisse essen, oder?“ Kurzes Schweigen. „Außer natürlich Zierkürbisse. Aber deswegen heißen die ja auch so, außerdem sind sie ganz klein.“

Wir schnupperten kurz am Topf. Meine Freundin: „Den kann man essen!“ Ich: „Ja, er riecht doch auch ganz gut, oder? Nur die Schale muss weg, aber die habe ich vorher schon weggeschnitten.“

Meine Freundin: „Ja. Ich dachte ja auch nur, weil ich Halloween-Kürbisse bisher immer nur mit Fratze gesehen habe …“ Hatte ich ja auch …

Ich: „Aber man empfiehlt doch zur Halloween-Party auch, ein Kürbissüppchen zu kochen. Mit welchen Kürbissen sollte man die denn sonst kochen, wenn nicht mit Halloween-Kürbissen? Die muss man essen können! Oder?“ Sie: „Ja! Doch, bestimmt.“ Ein Freund, der an uns vorbeilief, meinte dann auch, klar könne man Halloween-Kürbisse essen. „Bestimmt.“ Aber er guckte schon kurz ein wenig unsicher.

Tja. Leichter Grusel gehört eben zu Halloween dazu.

Die Suppe hat dann auch allen geschmeckt. Äh … fast allen. Wie ich später gehört habe, hatte meine Freundin noch ein wenig mit dem Chili hantiert, als ich schon um die Ecke war. Das erfuhr ich aber erst abends, als ich meine Suppe probierte. „Oh“, sagte ich. „Du hättest das Gesicht Deiner Tochter sehen sollen“, meinte da die Frau eines sehr lieben Kollegen. Sie hat wohl ganz verdattert geguckt und dann gesagt: „‚Das schmeckt nicht!“ Danach ist sie gleich ins Kinderzimmer abgerauscht. Ähnlich ist es auch dem Freund meiner Tochter aus dem Kindergarten ergangen, dem ich Süppchen für zuhause eingepackt hatte. „Dann haben wir eben die Suppe gegessen“, meinte meine Mütterkollegin am nächsten Tag.

Ich fand die Suppe allerdings haargenau richtig.

Endlich wieder etwas deftiges – nicht immer nur so mildes Zeug … Und zumindest die anderen Erwachsenen fanden sie wohl auch ganz gut. Für die Kinder hatten wir auch noch Hackfleisch- und Spinattaschen da. Sie dürften satt geworden sein. Der Freund meiner Tochter hat zuhause noch ein Brot bekommen. Kuchen hatten sie, glaube ich, auch alle genug intus. Und sogar meinem kleinen Sohn hat sein Kürbispüree mit Kartoffeln sehr gut geschmeckt. Sein Essen würzen wir ja auch nie – er ist ein Baby.

Guten Appetit und viel Spaß beim Feiern und gruseln.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 31.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

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Paul II

zu Lebzeiten hätte ihn der ein oder andere am liebsten in Kräutermantel oder mit Zitronengarnitur gesehen. Nun ist er tot, natürliche Ursache: Paul starb vor ein paar Tagen im Alter von 33 Monaten.

Sie kennen Paul sicher noch. Orakel-Krake Paul aus Oberhausen.

Den Titel hatte er sich während der Fußball-WM in Südafrika diesen Sommer redlich verdient. Kein Tor, aber trotzdem acht Treffer, die Zahl der richtigen Tipps. Die hatte Paul abgegeben, indem er aus zwei Behältern mit den Flaggen der nächsten beiden Mannschaften eine Muschel auffraß. Nicht allzu spektakulär. Trotzdem hockten bei den Fototerminen die Pressefotografen bis unter die Decke aufeinander, um Pauls Orakelei abzulichten.

Chef-Aquarist Oliver Walenciak hat offenbar schon seit einer Weile geahnt, dass es mit Paul zuende geht. Er habe schon seit einiger Zeit lustlos gewirkt. Kein Appetit. Seine letzte Mahlzeit hat Paul am Tag vor seinem Tod zu sich genommen, eine Krabbe. Paul hinterlässt ein niedliches kleines Paulchen. Paul II habe der Orakel-Tentakelkönig eigentlich noch in die Kunst der Weltmeistervorhersage einweihen sollen.

Ach, das wird der Kleine auch so schaffen.

Wahrscheinlich hat er die intuitive Begabung von seinem Vater geerbt – ich nehme mal an, Paul ist der Vater. Angeblich will die spanische Kleinstadt Carballino Pauls sterbliche Überreste bei sich ausstellen. Tintenfischhochburg, Paul ist dort schon im Sommer zum Ehrenbürger ernannt worden. „Eine offizielle Anfrage liegt uns noch nicht vor“, sagte Stefan Porwoll von Sea Life. Eigentlich ist vorgesehen, Paul einzuäschern und seine Urne unter einem eigens errichteten Denkmal im Sea Life zu bestatten.

Das nach eigenen Angaben zu Lebzeiten einzige Interview mit dem Tier hat die Augsburger Allgemeine Zeitung mit ihm geführt. „Ein Gespräch mit Händen und Füßen“, schrieben die Kollegen im Sommer. Paul habe ihnen verraten, dass er die Öffentlichkeit genießt. Im Meer wäre es ihm wohl zu langweilig gewesen. „Immer das ewig gleiche: Jagen, mit Tinte vollgesprüht werden von den Kollegen, tauchen, wegtauchen, auftauchen. Das ist doch kein Leben. Hier habe ich alles, was ich brauche, muss mich um nichts kümmern“, hatte Paul in dem Interview erklärt.

Selbst nach seinem Tod sorgt der Krake für den ganz großen Medienzirkus. Journalisten aus der Schweiz, Frankreich, Spanien berichteten über das verstorbene Meerestier. Auch CNN und Al Jazeera schickten Reporter. Und natürlich sollte der Fanartikel-Verkauf nun noch einmal richtig anziehen: Tassen mit Krake Paul drauf, Paul als Stoffkrake, Paul als Handy-Spielchen. Und eine DVD mit der Paul-Dokumentation, die ein amerikanischer Fernsehsender erst kurz vor seinem Tod gedreht hat. Die werden Sie in ein paar Wochen wohl auch bei uns bekommen können. Was mit dem WM-Siegerpokal geschieht, den Paul für seine Tipps verliehen bekommen hat, weiß ich aber leider auch nicht.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 28.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

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Mittelerde

was Streiks und Proteste so bewirken können …

Nein, nicht dass Sie heute vielleicht erst mit Verspätung im Büro aufgeschlagen sind, weil die Bahngewerkschaften transnet und GDBA tatsächlich mit ihrer Drohung ernst gemacht haben, den Nahverkehr bundesweit lahmzulegen. Oder dass die französischen Autofahrer in den vergangenen Wochen zeitweise kein Benzin zu tanken bekamen.

Sondern dass womöglich bald ein neues Auenland her muss.

Das ist aber auch wieder nicht so wunderlich, wie es klingt. Sondern scheint nur der bislang einzige Erfolg zu sein, den der Streik der Gewerkschaften für eine bessere Vergütung der Arbeit am neuen Hobbit-Film für Schauspieler, Techniker und Komparsen in Neuseeland hat. Die Produktionsgesellschaft Warner Brothers droht damit, das 500 Millionen Dollar teure Prestigeprojekt einfach woanders abzuwickeln – dann suche man sich eben ein neues Auenland.

In Auckland protestieren sie seit Tagen dagegen. „Neuseeland ist Mittelerde“, „Bringt Bilbo nicht um“ und „Neuseeland liebt die Hobbits“, steht da auf den Schildern, die die Protestierenden hochhalten. Um das zu bekräftigen, haben sich ihre Kinder als Hobbits verkleidet, teils mit Pelzimitat auf den Füßen wie eine Fotostrecke bei Spiegel Online beweist.

Das Projekt ist wichtig für das Land. Deswegen wird sich am heutigen Dienstag sogar Premierminister John Key einschalten, um den Streit zwischen den Gewerkschaften und der Produktionsgesellschaft zu schlichten. Dem Land könnten insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar entgehen, schreibt die Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins.

Wirklich gut stehen die Chancen aber wohl nicht.

Auf 50:50 schätze er die Chance, dass „Der Hobbit“ in seiner Heimat gedreht werde, erklärte der Ministerpräsident dem „New Zeeland Herald“. Sogar der aus Neuseeland stammende Regisseur Peter Jackson, dem die Gewerkschaften eine unterdurchschnittliche Bezahlung vorwerfen, hatte gedroht, den Film in Osteuropa zu drehen.

Ganz wie aus der Trilogie gewohnt, wird der Film „Der Hobbit“ aber ja sowieso nicht werden. Ähnlich wie bei der Episode-Trilogie geht es ja zurück in die Vergangenheit. Da ist Bilbo Beutlin jung und muss den Ring erst noch an sich nehmen. Gespielt wird er vom Briten Martin Freeman. Aber das hat ja auch seinen Reiz.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 26.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html


Himmel un ääd

neulich hatte ich nichts zu essen im Haus. Gut, nicht wirklich nichts. Ein bisschen was war da schon. Aber eben nicht das, was ich brauchte.

Aus so was sollen ja angeblich die besten Gerichte entstehen.

Das habe ich jedenfalls schon oft gehört und gelesen. Konnte es aber bislang leider nicht bestätigen. Doch diesmal hatte ich Glück: Ich habe das Himmel-un-ääd-Curry-Huhn erfunden. Und seither auch schon ein paarmal wiederholt – und verfeinert.

Wozu bin ich im Rheinland aufgewachsen? Und esse gern asiatisch?

Ganz einfach: Kartoffeln (Erdäpfel, also „Ääd“) schön kross anbraten, Hähnchenstreifen dazu, zum Schluss Apfelstückchen rein (Himmel, weil sie an Bäumen wachsen) und mit anbraten. Das ganze dann mit Curry oder Kurkuma und Salz würzen. Dazu Reis. Fertig. Gut, das echte Himmel un ääd ist Apfelmus mit Bratkartoffeln und Blutwurst.

Jedenfalls genau das richtige für kühle Herbsttage.

Und das Schöne: Es macht kaum Arbeit. Mein Mann mag es auch. Meine Tochter ist allerdings skeptisch: Für sie gehört Obst einfach nicht in die Pfanne. Sie steht schon bei Gemüse mehr auf die Rohvariante. Falls Sie kleine Kinder im Gemüsestreik haben, ist das übrigens ein heißer Tipp: Roh essen offenbar die meisten Kinder Paprika, Gurke oder Karotte gern. Lassen Sie sich die einfach beim Schneiden wegmopsen …

Vor einigen Jahren hat das SZ-Magazin mal Kinder aus aller Welt nach ihrem Lieblingsgericht gefragt. Ein Inuitkind mochte am liebsten Robbeneis oder so etwas. Ich konnte den Artikel leider nicht wiederfinden. Aber dafür hat das SZ-Magazin vor kurzem mal Prominente gefragt, was sie frühstücken. Auch spannend. Hätten Sie gedacht, dass Münchens Oberbürgermeister Christian Ude an Winter-Wochentagen um 7 Uhr eine chinesische Suppe und einen Kaffee zu sich nimmt und am Wochenende Brunch mit Spiegelei, Schinkentoast und Quark? Ich auch nicht.

Aber ich habe ja auch falsch geraten, wer wohl seinen Tag mit Weißwurst beginnt.

Ich hatte natürlich sofort an Reiner Calmund gedacht, den Ex-Manager von Bayer 04 Leverkusen. Doch schon die Liste der Teesorten, die er da aufzählt, hat mich überrascht: „Pfefferminz mit Zitrone, Fenchel, grüner Tee mit Grapefruit, Tee aus frischem Lemongras (Asien)“ stand da. Zum Kohlenhydrate-Frühstück gibt es bei Herrn Calmund Vollkornbrot, Rohmilchkäse 60 % Fett, Tomaten. Oder: Bircher-Müsli mit Mango oder Banane. Ein Eiweiß-Frühstück besteht dagegen bei ihm aus drei Rühreiern und drei Scheiben gekochtem Schinken ohne Brot sowie einem Schälchen Heidelbeeren.

Wer hätte das gedacht?

Die Weißwurst genehmigt sich übrigens Jimi Blue Ochsenknecht, der Sohn von Uwe Ochsenknecht, selbst auch Schauspieler und Sänger. Alternativ auch gern Pfannkuchen mit Nutella oder gebratene Eier mit Baked Beans und dazu Maracujasaftschorle.

Gut, der Mann ist noch jung. Da gibt es meist noch keine Sorgen über wachsende Bäuche. Vielleicht kennt er aber auch einfach nur die neuesten Erkenntnisse aus der Frühstücksforschung. Die wird nämlich immer widersprüchlicher. Eier statt Müsli – macht schlank. Nein, doch nicht: Müsli mit Banane ist doch besser. Aber Eier sind auch okay. Nur Marmelade ist ganz schlecht. Jeder Zucker. Wobei das wieder nicht gilt, wenn Sie danach körperliche Leistung bringen müssen. Nein, Sie brauchen keinen grünen Tee zu schlürfen. Kaffee ist längst rehabilitiert – jede Tasse mehr senkt für depressive Gemüter die Selbstmordgefahr. Zumindest gilt das bei bis zu sieben Tassen. Und – ja: Auch Kaffee zählt zu den 2 Litern, die wir alle trinken sollen, dazu. Obwohl – dass Sie die überhaupt trinken sollen, dazu gibt es ja auch schon Gegenmeinungen.

Verrückt. Glücklicherweise gibt es aber nun auch schon erste Ernährungswissenschaftler wie Volker Schusdziarra aus München, der das Meinungskarussell um die ultragesunde Frühstückskultur wohl gern bremsen würde und sagt, wir wüssten im Grunde noch so wenig, was ein gesundes Frühstück sei, dass wir einfach essen sollten, was uns schmeckt. Das ist doch was, oder? „Hauptsache, man vermeidet Übergewicht.“ Und dafür ist sowieso Bewegung das beste Rezept. Guten Appetit.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 25.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

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Mafiamethoden, hausgemacht

vor einiger Zeit habe ich mal in irgendeiner Eltern- oder Frauenzeitschrift das Bekenntnis einer Mutter gelesen, sie wende zuweilen mafiöse Erziehungsmethoden an

Sie lüge, drohe, erpresse und besteche ihre Kinder gelegentlich.

Die Schnullerfee ist in vielen Familien schuld, wenn der geliebte Tröster irgendwann verschwindet. Die Aussicht, dass die Sonne womöglich nicht scheint, wenn der Teller nicht leergegessen wird, animiert heute noch viele Kinder zum Aufessen. Und in manchen Kinderzimmern drohen unheimliche Wichtel einzufallen, die alles Spielzeug aufessen, das nachts noch auf dem Boden liegt. Der Klassiker sind ja die – immerhin tatsächlich existierenden – bösen Bakterien, die die schönen Zähne kaputtmachen, wenn das Kind sie sich nicht putzt.

Die hohe Schule der Elternkunst ist das sicher nicht.

Aber vielleicht behelfen Sie sich ja auch zuweilen auf bequeme Weise, wenn Sie Kinder haben. Machen wahrscheinlich die meisten Eltern hier und da. Wenn auch wahrscheinlich nicht so, wie die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern im Städtchen Washougal im US-Bundesstaat Washington, von denen ich da vor ein paar Tagen bei tagesschau.de gelesen habe. Die wollen gerade Geld für den Schulabschlussball sammeln.

Was läge da näher, als ein bisschen Schutzgeld zu erpressen?

Über Nacht stellen die Schüler den Anwohnern der Gemeinde Flamingoattrappen in den Vorgarten. Die Plastiktiere entfernen zu lassen, kostet eine, nun: „freiwillige Spende“. Immerhin: Wer die nicht aufbringen will, bei dem verschwinden die lachsfarbenen Vögel nach 48 Stunden von selbst. Wer aber die – äh: empfohlenen 20 Dollar bezahlt, dem schaffen die Schüler die Vögel nicht nur flugs aus den Augen. Der darf sogar bestimmen, wem sie als nächstes in den Vorgarten gestellt werden.

Und das alles wohlgemerkt unter Aufsicht der Eltern.

Wer fürchtet, für eine Vogelvisite vorgeschlagen zu werden, kann sich gegen diese ornithologische Unbill versichern. Eine entsprechende „Police“ – gibt es bei der Washougal High School für 5 Dollar zu kaufen. Gut fände ich, wenn sie dann auch beim Abschlussball alle mit Sonnenbrillen und schwarzen Blues Brothers-Anzügen herumliefen. Wirkt stilechter.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 21.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html