33

vor ein paar Tagen ist ja der 33 Monate alte Orakel-Krake Paul gestorben (siehe Newsletterausgabe vom 28.10.).

33. Da war doch mal was mit der 33, habe ich mir da gedacht.

Gleich nach links zu der zwei Wochen alten Ausgabe des Kölner „Express“ gegriffen. Genau. Da war es. Am 14. Oktober gleich mehrere Seiten voll mit Artikeln über die Rettung der chilenischen Grubenkumpels, die einen Tag zuvor geglückt war. Hochdramatisch.
Wahrscheinlich erinnern Sie sich noch daran. Die Kumpels waren am 5. August in einem Kohleschacht in der chilenischen Atacama-Wüste verschüttet worden. Und am 13. Oktober waren sie wieder frei.

Unter der Überschrift „Die Magie der Zahl 33“ stand da, die Zahl 33 gebe den ohnehin wundergläubigen Chilenen Rätsel auf. Schon das Datum (13.10.10) ergebe die Zahl 33, berichtete die Boulevardzeitung da.

Solche Aussagen reizen mich doch gleich zum Nachrechnen. Berufskrankheit.

Ich kann nichts dafür. Wahrscheinlich, weil es so einfach ist. Und? Es stimmt, wenn sie 13 plus 10 plus 10 rechnen. Aber es stimmt nicht, wenn sie das Jahr ausschreiben (2010). Das ergibt dann 2033. Und wenn Sie einfach die Quersumme bilden (1 plus 3 plus 1 plus 1 – die Nullen ergeben schließlich null und nix), dann stimmt es auch nicht. Das ergibt 6. Gut: immerhin ist das wiederum die Quersumme von 33 …

Der Bohrer soll laut Bericht exakt 33 Tage gebraucht  haben, um den Rettungsschacht zu den 33 Verschütteten zu bohren. Ich habe mal gezählt. Egal wie – es gab offenbar zwei Bohrungen, die zweite mit mehr Erfolg: Ich komme wieder nicht auf 33. Wenn ich den ersten Versuch mitzähle, sind es bei mir 43 Tage. Wenn ich nur den zweiten Versuch rechne, immerhin noch 38 Tage. Jedenfalls nicht 33. Ob der Bohrer – Typ Schramm – mal pausiert hat? Oder die Zeitung die falschen Daten nennt? Das nachzuprüfen, die Mühe habe ich mir dann nicht gemacht.

Etwas einfaches: Die Botschaft der Kumpels („Estamos bien en el refugio – los 33“ – „Wir 33 im Schutzraum sind wohlauf“) bestehe mit Leerzeichen aus 33 Anschlägen, schrieb der Express. Dumm nur: Mein Programm zählt 35 Zeichen. Ich also gegoogelt. Da finden sich dann auch Varianten des Satzes ohne Bindestrich.

Das ergibt tatsächlich 33 Zeichen. Immerhin.

Aber ansonsten: Dumm gelaufen. Ich habe ja auch noch nie wirklich an so etwas, also Numerologie, geglaubt. Auch mit Astrologie tue ich mich ja schwer (siehe Newsletterausgabe vom 12.05.2009). Unterhaltend finde ich so etwas aber schon. Wirklich. Ich stelle mir vor, dass sich da sicher ein paar Leute über diese „Wahnsinnszufälle“ gefreut haben. Aber eben leider zu früh.

Allerdings kommt es wirklich nicht nur in Boulevardredaktionen vor, dass Kollegen einfachste Rechenübungen unterlassen, das muss ich zur Ehrenrettung der Kollegen schon sagen.

Trotzdem – als Finanzmensch wissen Sie ja selbst: Nicht nachrechnen ist ein Fehler.

Der Mann, der übrigens das Licht am Ende ausmachte, war ein Techniker, Manuel Gonzalez, wenn es stimmt, was der Express noch so schrieb. Er war der erste von fünf Helfern, die an dem großen Tag in die Grube heruntergelassen wurden. Und er war der letzte, der unten ausharrte, während die leere Rettungskapsel zu ihm herunterfuhr, stand da. Gefreut habe ich mich, dass die Kumpels zwar ihren Job los sein sollen, aber dafür angeblich millionenschwere Angebote für Film- und Buchprojekte sowie Exklusiv-Interviews bekommen haben. Ich hoffe, wenigstens das stimmt wirklich.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 02.11.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Mittelerde

was Streiks und Proteste so bewirken können …

Nein, nicht dass Sie heute vielleicht erst mit Verspätung im Büro aufgeschlagen sind, weil die Bahngewerkschaften transnet und GDBA tatsächlich mit ihrer Drohung ernst gemacht haben, den Nahverkehr bundesweit lahmzulegen. Oder dass die französischen Autofahrer in den vergangenen Wochen zeitweise kein Benzin zu tanken bekamen.

Sondern dass womöglich bald ein neues Auenland her muss.

Das ist aber auch wieder nicht so wunderlich, wie es klingt. Sondern scheint nur der bislang einzige Erfolg zu sein, den der Streik der Gewerkschaften für eine bessere Vergütung der Arbeit am neuen Hobbit-Film für Schauspieler, Techniker und Komparsen in Neuseeland hat. Die Produktionsgesellschaft Warner Brothers droht damit, das 500 Millionen Dollar teure Prestigeprojekt einfach woanders abzuwickeln – dann suche man sich eben ein neues Auenland.

In Auckland protestieren sie seit Tagen dagegen. „Neuseeland ist Mittelerde“, „Bringt Bilbo nicht um“ und „Neuseeland liebt die Hobbits“, steht da auf den Schildern, die die Protestierenden hochhalten. Um das zu bekräftigen, haben sich ihre Kinder als Hobbits verkleidet, teils mit Pelzimitat auf den Füßen wie eine Fotostrecke bei Spiegel Online beweist.

Das Projekt ist wichtig für das Land. Deswegen wird sich am heutigen Dienstag sogar Premierminister John Key einschalten, um den Streit zwischen den Gewerkschaften und der Produktionsgesellschaft zu schlichten. Dem Land könnten insgesamt 1,5 Milliarden US-Dollar entgehen, schreibt die Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins.

Wirklich gut stehen die Chancen aber wohl nicht.

Auf 50:50 schätze er die Chance, dass „Der Hobbit“ in seiner Heimat gedreht werde, erklärte der Ministerpräsident dem „New Zeeland Herald“. Sogar der aus Neuseeland stammende Regisseur Peter Jackson, dem die Gewerkschaften eine unterdurchschnittliche Bezahlung vorwerfen, hatte gedroht, den Film in Osteuropa zu drehen.

Ganz wie aus der Trilogie gewohnt, wird der Film „Der Hobbit“ aber ja sowieso nicht werden. Ähnlich wie bei der Episode-Trilogie geht es ja zurück in die Vergangenheit. Da ist Bilbo Beutlin jung und muss den Ring erst noch an sich nehmen. Gespielt wird er vom Briten Martin Freeman. Aber das hat ja auch seinen Reiz.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 26.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html


Mafiamethoden, hausgemacht

vor einiger Zeit habe ich mal in irgendeiner Eltern- oder Frauenzeitschrift das Bekenntnis einer Mutter gelesen, sie wende zuweilen mafiöse Erziehungsmethoden an

Sie lüge, drohe, erpresse und besteche ihre Kinder gelegentlich.

Die Schnullerfee ist in vielen Familien schuld, wenn der geliebte Tröster irgendwann verschwindet. Die Aussicht, dass die Sonne womöglich nicht scheint, wenn der Teller nicht leergegessen wird, animiert heute noch viele Kinder zum Aufessen. Und in manchen Kinderzimmern drohen unheimliche Wichtel einzufallen, die alles Spielzeug aufessen, das nachts noch auf dem Boden liegt. Der Klassiker sind ja die – immerhin tatsächlich existierenden – bösen Bakterien, die die schönen Zähne kaputtmachen, wenn das Kind sie sich nicht putzt.

Die hohe Schule der Elternkunst ist das sicher nicht.

Aber vielleicht behelfen Sie sich ja auch zuweilen auf bequeme Weise, wenn Sie Kinder haben. Machen wahrscheinlich die meisten Eltern hier und da. Wenn auch wahrscheinlich nicht so, wie die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern im Städtchen Washougal im US-Bundesstaat Washington, von denen ich da vor ein paar Tagen bei tagesschau.de gelesen habe. Die wollen gerade Geld für den Schulabschlussball sammeln.

Was läge da näher, als ein bisschen Schutzgeld zu erpressen?

Über Nacht stellen die Schüler den Anwohnern der Gemeinde Flamingoattrappen in den Vorgarten. Die Plastiktiere entfernen zu lassen, kostet eine, nun: „freiwillige Spende“. Immerhin: Wer die nicht aufbringen will, bei dem verschwinden die lachsfarbenen Vögel nach 48 Stunden von selbst. Wer aber die – äh: empfohlenen 20 Dollar bezahlt, dem schaffen die Schüler die Vögel nicht nur flugs aus den Augen. Der darf sogar bestimmen, wem sie als nächstes in den Vorgarten gestellt werden.

Und das alles wohlgemerkt unter Aufsicht der Eltern.

Wer fürchtet, für eine Vogelvisite vorgeschlagen zu werden, kann sich gegen diese ornithologische Unbill versichern. Eine entsprechende „Police“ – gibt es bei der Washougal High School für 5 Dollar zu kaufen. Gut fände ich, wenn sie dann auch beim Abschlussball alle mit Sonnenbrillen und schwarzen Blues Brothers-Anzügen herumliefen. Wirkt stilechter.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 21.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Fernsehen

in den vergangenen Monaten habe ich fast kein Fernsehen geguckt. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie meine Fernbedienung funktioniert. Kleines Kind und abends oft arbeiten, deswegen …

Aber neulich hatte ich mal wieder ein paar freie Tage, und da habe ich auch mal wieder abends auf dem Sofa gesessen. Vor dem Nachtprogramm zum Beispiel. Auf drei Sendern schritten da Mannequins – glauben Sie mir: „Model“ wäre hierfür ein sehr unpassender Ausdruck – auf und ab und führten Jeans, Steppwesten, flauschige Nachthemden oder zweireihige Perlenketten vor. Christbaumschmuck war auch mal im Angebot – wenn man vor Mitternacht bestellte, gab es Rabatt. Teleshopping.

Ich wusste gar nicht, dass es das noch gibt.

„Guck mal, das ist das erfolgreichste Programm im deutschen Fernsehen“, habe ich zu meinem Mann gesagt. Das habe ich vor langer Zeit mal in einem Artikel über eine der Produktionsgesellschaften gelesen, die diese Verkaufssendungen herstellen. 2003. Ich weiß gar nicht, ob die Information immer noch stimmt. Aber so schlecht kann der Teleshopping-Laden nicht laufen. Da bedankte sich ein Moderator für die 200ste (oder war es die 2000ste?) Bestellung „dieser wunderbaren Nähmaschine“.

Sehr unterhaltsam, sage ich Ihnen. Nein, ich habe nichts bestellt.

Das Einzige, was ich telefonisch besorge, ist Onlinebanking (vgl. Newsletter vom 20.9.). Meine Kleidung kaufe ich noch real. Bücher und Büromaterial oft im Internet. Daher bin ich auch nur ein bisschen schlauer geworden, obwohl ich in mehrere dieser Sendungen reingezappt habe: Wahrscheinlich ist das Risiko, dass einem etwas nicht gefällt, bei diesem Vertriebskanal etwas geringer, als bei einer der ja ebenfalls sehr beliebten Katalogbestellungen.

Wahrscheinlich aber nicht ganz so gut wiederum, wie bei den ebenfalls sehr beliebten Verkaufs-Partys. Nicht nur für Tupperware, sondern auch für Kinderbücher, Unterwäsche – und seit kurzem auch für Harleys.

Genau: DIE Harley.

Das US-Magazin BusinessWeek berichtete neulich, dass der US-Motorradhersteller Harley Davidson – bislang eher dafür bekannt „alternde Männer anzuziehen“, wie das Magazin süffisant anmerkte – nun so etwas Ähnliches wie Tupperparties veranstalte:

Aber nicht, dass Sie sich jetzt auch ein falsches Bild machen.

Da hocken nicht langhaarige Typen in Lederjacken in den Garagen der Händler. Es geht hier um Women only Garage-Partys – nur für Frauen. Dabei wird auch nicht über Ölwechsel oder Kette reparieren leicht gemacht informiert, sondern zum Beispiel darüber, wie die Damen den Helm richtig aufsetzen, um auf der neuen „SuperLow“ abzudüsen, die Harley diesen Sommer neu auf den Markt gebracht hat.

Ein Mädchenmotorrad: 75 Kilo leichter und mit einem tieferen Sitz, der für Frauen leichter zu besteigen sein soll. Seit geraumer Zeit schon soll jede zehnte Kundenanfrage nach Angaben des Harley-Chefs die einer Frau nach einem Frauenmodell gewesen sein. Der wahre Grund für die neue Weiblichkeit liege aber wohl in der mauen Konjunktur, unkt das Magazin: Die Zulassungszahlen für Motorräder in USA seien seit 2007 um 41 Prozent gesunken, Harleys Produktionsniveau läge nur noch auf dem von 2001. Da kommt das Bike gerade recht.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 19.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Einpackzone

neulich hat sich ein Kollege vom SZ-Magazin gefragt, warum sie in den Supermärkten den Platz zum Einpacken so schrumpfen. Er beschrieb unhaltbare Zusammenstöße am Ende des Kassenbandes, wo sich das Frühstück eines Junggesellen im Kartoffelnetz einer jungen Mutter verfängt und geschimpft und geflucht wird.

Wissen Sie, wie ich mich vor solchen Tumulten rette?

Indem ich unsere Wocheneinkäufe einfach schnell wieder in den Einkaufswagen stapele und ein paar Meter von der Kasse wegschiebe. Mit etwas Glück ergattere ich den einen Platz am Packtisch. Dann fluchen die Kunden hinter mir, weil sie sich nun – wenn nicht schon gleich an der Kasse, dann zwischen Leergutautomat, Einkaufswagenabstellplatz, Kassenausgang und Supermarkteingang – ineinander verkeilen. Mit etwas Pech ist der kleine Packtisch neben dem Mülleimer aber schon besetzt. Dann stehe ich eben auch mitten im Laden herum und versuche, die Einkäufe aus dem Wagen heraus sinnvoll einzupacken – die schweren und stabilen Lebensmittel nach unten und so auf die Tüten verteilt, dass ich mich beim Tragen einigermaßen gerade halten kann – und zugleich wenig Angriffsfläche für Rempler zu bieten. Manche entgehen dem Gerempel, indem sie ihren Einkaufswagen zurückschieben, sich vor das Ende der Wagenrückgabe stellen und dort ihre Einkäufe in die Tüte packen. Das habe ich schon ein paarmal beobachtet.

Dann geht allerdings gar nichts mehr: Kein Einkaufswagen mehr für neue Kunden, kein Wagen zurück für fertig kassierte Kunden. Und die immer zahlreicher werdenden Kunden zwischen Flaschenautomat, Kassenzone und Eingang werden immer ungehaltener. Dafür ist dann im Laden selbst wieder ein Durchkommen.

Ich bin bisher immer davon ausgegangen, das Ganze sei ein Stadtproblem. Im kleinstädtischen Giesenkirchen, Stadtteil von Mönchengladbach-Rheydt, oder auch hier im Hochtaunus haben Sie das Problem meines Wissens nach nicht. Zumindest nicht bei den größeren Filialen, zumindest nicht bis vor ein paar Monaten. Aber das scheint sich zu ändern. Das SZ-Magazin hat mal nachgefragt, warum. Bei den Handelsketten gab es keine Antwort. „Niemand ist zu erreichen, und wenn doch, wird die Zuständigkeit in einem heiteren Zyklus der Ahnungslosigkeit weitergegeben, von der Konzernzentrale an die Regionen, von der Region an die Einzelfilialen und von denen wieder zurück an die Zentrale.“ Dann half der Lieferant für diese so genannten Kassenstände mit einer Antwort weiter, die Firma Tackenberg aus Bochum.

Mit einer Erklärung, auf die ich im Leben nicht gekommen wäre …

„Die arrivierteren Ketten würden damit die Kassenästhetik der Discounter imitieren und auf diese Weise versuchen, die zu Aldi oder Lidl abgewanderten Kunden zurückzugewinnen“, verriet Hartwin Tackenberg, Chef des Familienunternehmens.

„Eine interessante Logik: Rewe, Edeka und Tengelmann verschlechtern ihren Service, um sich davon wieder größere Beliebtheit zu versprechen.“ Offenbar. Wahnsinn, oder? Entweder es stimmt, und wir Discountereinkäufer sind alle Masochisten. Oder das ist doch nur wieder so eine ganz pfiffige Erklärung für eine ganz unkreative Einsparung …

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 11.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Ganz illegaler Steuertipp

falls Sie an illegalen Steuer- und Finanztipps interessiert sind, muss ich Sie leider enttäuschen. Nicht ganz mein Ressort. Aber das wissen Sie als treuer und rechtschaffener Leser ja schon. Ich kann Ihnen aber verraten, wo Sie welche bekommen …

Psst – genau …

Im neuen Roman von John Le Carré „Our Kind of Traitor“ – der Titel der deutschen Ausgabe heißt „Verräter wie wir“. Normalerweise ist Le Carré eher auf Spionage spezialisiert. Aber vielleicht hat er sich im Lauf seiner Jahre als Bestsellerautor ja so über seine Steuerbescheide geärgert, dass es seine Kreativität mal auf andere Art angestachelt hat. Jedenfalls hat er für seinen neuen Roman eine neue Art der Geldwäsche erfunden – oder besser: eine neue Variante.

Und die geht so: Sie kaufen ein Stück Land, am besten eine Insel. Sie bezahlen es in bar und bauen ein Riesenhotel mit vielen Urlaubsbungalows darauf. Das statten Sie mit dem teuersten Interieur aus. Anstatt aber nun gut zahlende Urlauber einziehen zu lassen, erzählen sie jedem Anrufer, Sie seien ausgebucht. Einmal im Monat liefert ein Sicherheitsfahrzeug das Geld bei der Bank ab, das Ihr Hotel angeblich abwirft. Nach ein paar Jahren ist Ihr Geld gewaschen und Sie verkaufen die Anlage mit Gewinn weiter.

„Wenn es funktioniert, wäre es schon eher clever“, merkt die durchaus ehrenwerte Nachrichtenagentur Reuters aus London an. Es können auch Urlaubsdörfer sein oder Autovermietungen – „vorausgesetzt, Sie bewältigen den Papierkram“, schreibt der Rezensent.

Ihm scheint das Buch gut gefallen zu haben.

Er habe es in einem Rutsch durchgelesen und frage sich nun, wie verbreitet die Masche mit den schwarzen Hotels ist. Wahrscheinlich eher nicht so sehr, schon mit Blick auf die Unmengen Geld, die Sie dafür brauchen. „Ich nehme an, dass ohne einen legitimen Käufer immer noch Geldwäscherei 1 an Geldwäscherei 2 verkaufen könnte“, überlegt sich der Reuters-Autor. Aber unterhaltsam klingt die Methode schon, finden Sie nicht auch?

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 28.09.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Frittenforschung

neulich habe ich mich mal wieder gewundert. Da berichtete tagesschau.de über die neuesten Erkenntnisse der Frittenforschung.

Als hätten sie dort gerade keine anderen Probleme, habe ich da gedacht.

Hätten Sie mich gefragt, für was die US-Regierung gerade Forschungsgelder bereitstellt – ich hätte auf Themen wie Sicherheit oder Risikomanagement an den Finanzmärkten getippt.

Aber gut: Pommes sind ja auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Einige bedeutende US-Konzerne machen in großem Stil darin mit. Obwohl ja Marktführer McDonalds vor ein paar Jahren schon damit angefangen hat, an seinem Image als Pommes- und Frikadellenbräter zu feilen – aufgeschreckt durch Filme wie „Supersize me“, in denen ein Amerikaner im Selbsttest mit der Burger- und Pommes-Diät rasant dick geworden ist.

Die Studie der University of California wird das Unternehmen wahrscheinlich freuen.

Die Mediziner fanden nämlich heraus, dass ein Virus zumindest mitverantwortlich für Fettleibigkeit sei: das Adenovirus AD36. In der Studie zeigten sie, dass übergewichtige Kinder, die sich das Virus – das normalerweise Atemwegserkrankungen auslöst – eingefangen hatten, rund 15,8 Kilo mehr wogen, als Kinder, die keine Antikörper des Virus im Blut hatten. Die Hälfte der insgesamt 124 Kinder zwischen acht und 18 Jahren stufte der Gastroenterologe Jeffrey Schwimmer nach ihrem Bodymaßindex als übergewichtig ein. Bei 19 der Kinder fand er Antikörper gegen das Virus. Und von ihnen waren wiederum 15 Kinder stark übergewichtig.

Ob das nun wirklich heißt, wir sollen uns keinen Zwang antun, darüber habe ich keine Studie gefunden. Aber dank der Forschungsförderung der US-Regierung wissen wir nun auch, wie die besten Pommes gehen: Feste Kartoffeln verwenden. Die geben die schönsten Pommes ab, fand Chemieprofessorin Karen Schaich heraus mit dem Geld aus dem Forschungsetat der US-Regierung heraus. Laut tagesschau.de geht allerdings Lebensmittelwissenschaftler Michael M. Blumenthal davon aus, dass das Fett entscheidet. Er sagt, das Fett müsse gesättigt sein und außerdem auch ein paar Tage alt und mehrfach benutzt.

„Wie ein guter Wein …“

Ich halte das allerdings für schwer nachzukochen. Denn wenn Sie das Fett zu oft und zu lang benutzen, wird es irgendwann ranzig – Sie wissen nur nicht so genau, wann. Am besten gehen wir weiter in die Frittenbude unseres Vertrauens, wenn wir mal wieder Lust auf die fettigen Stäbchen haben.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 27.09.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Direktbank

ich habe ein Geldmarktkonto bei einer großen Direktbank, auf die ich regelmäßig meine Steuer- und sonstigen Rücklagen überweise.

Das Konto ist bombensicher. Fort Knox für Onliner.

So sicher, dass ich regelmäßig daran scheitere. Obwohl ich mir die Zugangsdaten sogar notiere. Nein, natürlich schreibe ich mir nicht einfach die Zahlen auf – das darf man ja auch gar nicht. Sondern ich notiere mir Codes, von denen ich glaube, dass kein Mensch sie versteht. Gut, ich verstehe sie selbst nach einiger Zeit auch nicht mehr. Oder – wenn ich meine, sie verstanden zu haben – ich scheitere am bombensicheren Verfahren, nach dem man die Nummer auf der Internetseite eintippen muss. Wahrscheinlich reicht meine Hirnmasse nicht vom Übersetzen der Codes in eine Nummer bis zur Eingabe der einzeln abgefragten, ausgewählten Ziffern.

Meiner Erfahrung nach wächst die Hirnkapazität proportional zu Schlafdauer und getrunkener Wassermenge. Aber manchmal muss ich eben auch mal unausgeschlafen auf meine Steuerrücklagen zugreifen. Mittlerweile ist es mir schon peinlich, wieder bei meiner Bank anrufen zu müssen, um nach neuen Zugangsdaten zu fragen. Deswegen mache ich mittlerweile meist Telebanking.

Hätte ich als überzeugte Internet-Erledigerin-von-fast-allem nicht für möglich gehalten.

Neulich wollte ich es nochmal versuchen. Mal wieder schwarz auf weiß sehen, was sich da auf meinem Konto so bewegt. Glücklicherweise sitzt ja auch immer ein anderer Servicemitarbeiter am Telefon. Diesmal war der Plan, gleich mit einer Nummer aus meiner TAN-Liste über das Internet auf mein Konto zuzugreifen – und nicht wieder eine neue PIN schicken zu lassen, um gleich beim Eingeben irgendeinen Fehler zu machen. Ein kleiner Auszug aus dem Telefonat: „Und nun geben Sie bitte die i-TAN mit der Nummer 7 als PIN ein“, meinte der freundliche Mann zu mir. Ich also die Nummer eingetippt. Nichts. Nur die Mitteilung, ich hätte die Zahl der maximal zulässigen Eingabeversuche überschritten …

Der Servicemitarbeiter: „Sie haben die fünfstellige Nummer eingegeben?“ Ich: „Sechsstellig.“ „Hm.“ Kleines Tippen, leises Rascheln am anderen Ende der Leitung. Aber da konnte mir der Mann leider auch nicht mehr helfen. Ob ich denn dann die PIN per Post zugeschickt haben wolle? Ich wollte. Warum auch nicht?

Ich will nicht meckern. Das Verfahren bei meiner Bank ist eben wahnsinnig sicher. Ich brauche mir keine Sorgen zu machen. Und Telebanking geht ja auch immer. Rund um die Uhr. Ich werde es trotzdem mal mit meiner neuen PIN versuchen. Und hoffen, dass die Kapazität meines Hirns dann reicht. Aber ich frage mich schon, wo das bloß hinführen soll, wenn sie erst die 20-stellige Kontonummer einführen. Hoffentlich kommen dann noch meine Honorare bei mir an. Ohjemine. Da hilft dann auch kein Telebanking mehr. Vielleicht versuche ich es dann doch mal mit Hirnjogging.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 20.09.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Gefängnis

wo wir kürzlich beim Thema Räuber waren. Ich weiß nicht, ob ich mal erwähnt habe, dass ich Räuberpistolen sammele.

Also nicht etwa Waffen, sondern Berichte von gescheiterten Räubern.

Irgendwie besonders gescheiterten Räubern. So wie dem, dem kürzlich die Inkontinenz-Windel über dem Kopf zum Verhängnis wurde …
Bei manchen Geschichten reißt es mich einfach hin und her – zwischen Gelächter, Unglauben und Mitleid. Manchmal frage ich mich auch einfach, was die Täter eigentlich geritten hat. Zum Beispiel die beiden Männer aus Düsseldorf, die sich da vor einigen Monaten für ihren Bruch ausgerechnet ein Fachgeschäft für Sicherheitsausrüstung ausgesucht haben, ausgerechnet gegenüber dem Polizeipräsidium. Der Beamte, der das von seinem Schreibtisch aus beobachtet hat, wird gestaunt haben, nehme ich an.

Ob er wohl geglaubt hat, die Kollegen wollten ihn hochnehmen?

Jedenfalls schlug er Alarm. Die Festnahme war dann leicht. Auch gut fand ich diese niederländischen Einbrecher, die im Frühjahr dieses Jahres gleich zweimal hintereinander in das Gefängnis in Hoorn – gut 40 Kilometer nordöstlich von Amsterdam – eingebrochen sind und Insassen auf Freigang ihre Fernseher geklaut haben.

Immerhin sind sie dort ja noch absichtlich in den Knast eingestiegen.

Ungefähr zur selben Zeit ist das einem amerikanischen Autofahrer und seinem Beifahrer aus Versehen passiert, nachdem sie sich nach einem Verkehrsdelikt von Cleveland aus eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hatten. Der Zaun muss den beiden Männern irgendwie rettend erschienen sein … Auch hier hatten die Ordnungshüter leichtes Spiel.

By the way – wussten Sie eigentlich, dass ein Gefängnisausbruch hierzulande nicht strafbar ist? Ja, darüber habe ich mich auch gewundert, als ich es erfahren habe. Die Begründung ist philosophisch schön: Auf das Wesentliche reduziert, bestehe das Delikt aus dem Verfolgen des urmenschlichen Freiheitsdrangs. Und der sei eben nicht strafbar. Sehr wohl strafbar ist allerdings der Schaden für Menschen oder an Dingen, der dabei entsteht.

Gut, und eine Strafe steht natürlich – praktisch nebenbei – auch noch drauf: Mit der vorzeitigen Haftentlassung wegen guten Betragens wird es dann sicher nichts mehr.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 14.09.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html

Alarmanlagen

wo sind eigentlich all die ganzen Autoalarmanlagen hin?

Die, die einem früher vor allem nachts den Nerv töten konnten. Das habe ich mich gefragt, als vor kurzem mal nachmittags ein merkwürdiges Geräusch bei uns im Hinterhof losging. Ich: „Was? Autosirene?“ War aber doch eher ein Staubsauger. Vor ein paar Jahren ging mal bei uns in Köln in der Nachbarschaft nachts um halb vier eine Alarmanlage los. Und hörte minutenlang nicht mehr auf. Mehr und mehr Lichter in der Nachbarschaft gingen an. Die Leute wurden unruhig. Irgendwann ging dann einer runter und machte dem Drama ein Ende. Wie, weiß ich nicht so genau.

Kaum eine Nacht, in der nicht irgendwo in der Nachbarschaft eine Alarmanlage losging.

Damals habe ich sogar Artikel zum Thema gelesen. Darüber, dass die Alarmanlagen für Unmut bei Anwohnern und Behörden sorgen. Jede Nacht X Not- und Beschwerdeanrufe bei der Polizei. Dabei waren die meisten schrillen Sirenenheultöne offenbar Fehlalarme.

Und heute? Wo sind sie hin? Gleich mal ins Internet eingetippt und Enter gedrückt. Im ersten Artikel zum Thema geht es um einen verärgerten Arbeitnehmer, der nach seiner Entlassung über eine solche mobile Alarmanlage 100 Autos seines ehemaligen Arbeitgebers stillgelegt hat. Sonst geht es bei den aktuellsten Treffern vor allem um mobile Alarmanlagen, also mit Alarm auf das Handy, wenn ich es richtig verstanden habe. Die Zeiten haben sich offensichtlich geändert. Mein Auto ist noch vom guten alten Schlag. Nur motorisiert. Kein elektronischer Schnick-Schnack, der mein altes Schrottkistchen künstlich anfällig macht. Ganz solide. Nicht dass ich technikfeindlich wäre. Nur bei Autos und Waschmaschinen. Und vielleicht Telefonen. Kaum zu glauben, aber wahr: Für Mails und Nachrichten nehme ich lieber mein Netbook. Mein Handy muss nur telefonieren und SMSen können.

Die Alarmanlage rangiert denn auch auf der Liste der Maßnahmen ganz unten, die die Berliner Polizei uns zum Schutz unseres Autos in ihrem Faltblatt „Bremsen Sie Diebe rechtzeitig aus!“ empfiehlt. „Ziehen Sie immer den Zündschlüssel ab, auch wenn Sie nur kurz weg sind – auch an der Tankstelle!“, steht da. Auch der Rest hört sich nicht wirklich bahnbrechend an. Lenkradschloss immer einrasten lassen. Fenster, Türen, Kofferraum, Schiebedach und nicht zu vergessen den Tankdeckel immer schön verschließen. Keine Wertsachen und Bargeld im Auto lassen. „Verstecken ist sinnlos“, warnt die Polizei. „Erfahrene Diebe kennen jedes Versteck.“ Auch Navi und Halterung sollten wir rausnehmen. Auf die haben es die neun Prozent mehr Autodiebe im vergangenen Jahr offenbar abgesehen.

Und dann rät die Kriminalpolizei, was Mutti schon immer gesagt hat: Immer schön Ausweise, Fahrzeugpapiere, Schriftstücke mit der Wohnungsanschrift und besonders Hausschlüssel aus dem Auto rausnehmen. Richtig heimelig.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 09.09.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html