Nett

Gelegentlich poppt bei mir die Erinnerung daran auf, dass am 17.2. der Tag der grundlosen Nettigkeiten ist. So stand es vor ein paar Jahren in einem Redaktionsplan drin – und daher jetzt in meinem.

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Die internetsichere Stadt

Liebe Leserin, lieber Leser,

hätten Sie gedacht, dass der Diebstahl urheberrechtlich geschützter Produkte im Internet – Texte, Bilder, Musikstücke, Filme – nicht nur zu Umsatzverlusten bei Urhebern und Verlagen führt, sondern womöglich zu geographischen Verwerfungen?

Davon zeugen zwei Beispiele: das britische Örtchen Argleton und die thailändische Insel Koh Chang, die keine zwei Berge besitzt.

Das mit den zwei Bergen ist rasch erklärt. Da hatte die thailändische Fremdenverkehrsbehörde für ihr sehr hübsches Eiland werben wollen. Klar, dass sie dafür ein ansehnliches Foto brauchte. Wahrscheinlich war gerade kein passendes Motiv zur Hand, deswegen behalf man sich mit einem hübschen Foto irgendeiner anderen Insel.

Geht ja mit dem Internet ganz schnell und leicht…

Nur leider hatte man wohl vergessen, eine Hügelkette aus dem Foto herauszuradieren. Was mit der entsprechenden Software ebenfalls ganz leicht geht. Dass Koh Chang nun, anders als auf der Fremdenverkehrsseite gezeigt, gar keine zwei Hügel hat, wäre ohne Globalisierung wohl höchstens dem ein oder anderen Touristen aufgefallen. Der hätte es vielleicht auf die Erderwärmung geschoben… So indes sah es der Brite Ian McNamara, der auf Koh Chang eine kleine Pension betreibt. Und nicht nur das: Er erkannte sogar die falschen Hügel – aus seiner alten Heimat: der Insel Berneray in den schottischen Hebriden, 10.000 Kilometer entfernt.

Glück für die Thailänder: Die schottischen Kollegen nahmen den Bilderklau sportlich.

Imitation sei die ehrlichste Form der Schmeichelei, ließen sie die Zeitung „The Scotsman“ wissen. Gut gegangen – so etwas geht sonst rasch ins Geld. Schließlich nimmt nicht jeder Urheberrechtsverstöße so leicht. Verstöße werden zunehmend hart geahndet – und mit diversen Hilfsmitteln zu verhindern versucht. Mit einem elektronischen Wasserzeichen etwa. Oder auch mit Argleton, was zur geographischen Verwerfung Nummer zwei führte.

Sie finden das Örtchen bei Google Maps südlich der britischen Stadt Ormskirk, samt Postleitzahl. Diverse Verzeichnisse führen Argleton mit der Zahl der Einwohner und der Quadratkilometer auf. Aber wenn Sie mal an die Stelle heranzoomen, an der Argleton sein soll, ist da: nichts. Nur leeres Feld. Argleton ist ein geographisches Phantom, wie kürzlich zwei Forschen der britischen Edge Hill Universität auffiel.

Auch wie die nicht existierende Ortschaft in die Welt kam, ist rasch erklärt: Die niederländische Firma Tele Atlas, von der Google die Daten gekauft hatte, hatte Argleton seinerzeit erfunden, um so leichter Urheberrechtsverstößen auf die Spur zu kommen, berichtete die britische Zeitung „The Guardian“.

Wer Argleton auf der Landkarte hatte, hatte geklaut – so der Grundgedanke.

Der spätere Käufer Google will Argleton nun von der Landkarte tilgen. Doch anarchisch wie das Internet gestrickt ist, gründete sich eine Initiative zur Rettung Argletons. Mit einem Argument, das Ihnen nicht gefallen wird, falls Sie aus Bielefeld stammen. Man müsse nur fest genug daran glauben, dass Argleton existiert. Schließlich seien ja auch genug Menschen auf der Welt überzeugt, dass eine Stadt namens Bielefeld existiert, verweisen Argleton-Fans. Und dass Bielefeld nur ein Mythos ist, habe schließlich schon vor Jahren die tagesschau berichtet…

© Midia Nuri

Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a @ Verlag für die Deutsche Wirtschaft (VNR) am 7. Januar 2010

Echt blond!

Liebe Leserin, lieber Leser, 

jetzt weiß ich endlich, warum ich so friedfertig bin. Ich bin nicht blond.

Die schlagfertigen Antworten fallen mir deswegen immer erst nachher ein…

Damit haben Blondinen offenbar weniger Probleme. Zu dem Ergebnis kam eine Studie der University of California unter 156 Studentinnen. Frauen mit hellen Haaren erwiesen sich der Studie zufolge als selbstsicherer und aggressiver als brünette oder rothaarige Frauen.

Übrigens gilt das nicht nur für Frauen und auch nicht nur wegen der Haarfarbe, das sagt die Studie auch. Je größer das Gefühl ist, ein „besonderer Mensch“ zu sein, desto eher sind wir offenbar bereit, auch mit aggressivem Verhalten unsere Ziele zu erreichen, sagt die Studie. Und das Gefühl, ein besonderer Mensch zu sein, entstehe bei Männern eben durch körperliche Stärke – große, breitschultrige Kerle sind hier also im Vorteil – und bei Frauen durch gutes Aussehen. Schlenker zum Blondsein: Mit dem Aussehen punkte eine blonde Frau einfach leichter, so die Studienautoren. Sie werde für attraktiver gehalten und heimse mehr Aufmerksamkeit von Männern ein, als andere Frauen, erklärt Studienleiter Aaron Sell.

Jetzt wissen wir Kleinen und Dunkelhaarigen ja bescheid…

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich hatte in meinem Leben bestimmt drei oder viermal mehr blonde beste Freundinnen als brünette. Mir kommt es auf die Haarfarbe nicht so an.

Ich bin ja auch kein Mann…

Falls Sie einer sind und nicht aussehen wie eine Kreuzung aus Brad Pitt und Schwarzenegger, trösten Sie sich: Wissen Sie eigentlich, wer die erste Ski-Weltmeisterschaft nur für Blondinen gewonnen hat? Ein männlicher Kenianer, Patrick Sang. Gut, auf dem Foto, auf dem ich ihn vorhin wedeln gesehen habe, sah er weißhäutig aus. Aber definitiv nicht blond. Und das durfte so sein. Bei dem Spaß-Turnier kam es nur auf die Farbe der Haarpracht zum Zeitpunkt des Abfahrtslaufs an – nicht darauf, ob sie echt, gefärbt oder mit Perücke vorgetäuscht war…

Dass Sang eine blonde Perücke trug, konnten sie wohl schon vor Beginn der Abfahrt in der letzten Reihe ganz am Ende des Hangs erkennen… Wahrscheinlich noch bei Nebel. Auf dem Gelände gab es übrigens auch Haarfärbestationen für Teilnehmer in Zeitnot. Zumindest die echten, aber vielleicht weniger hell-getönten Blondinen werden das Angebot sicher gern angenommen haben. Schließlich benötigen sie als Blondine länger zum Aufbrezeln, wie vor einiger Zeit eine andere Studie herausfand.

Womit Wissenschaftler sich so beschäftigen – manchmal fasse ich es ja auch nicht…

Erfrischend finde ich da, was ich vorhin über Dolly Parton im Netz gefunden habe: „das meiste Geld, die größten Erfolge, die blondesten Haare, die längsten Fingernägel, die opulenteste Oberweite“, schrieb Spiegel Online. „Nichts davon ist echt, aber alles kommt von Herzen“, sagte die Country-Sängerin da. 

© Midia Nuri

Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a @ Verlag für die Deutsche Wirtschaft am 25. März 2010

Zufälle

Liebe Leserin, lieber Leser, 

neulich am Telefon, war ich mal wieder verwirrt.

Da rief mich eine freundliche Frauenstimme an und meldete sich mit „Trautmann“. Ich war verblüfft: „Frau Trautmann?“ Keine fünf Minuten zuvor hatte mir eine andere Frau Trautmann – ebenfalls sehr freundlich, aber ganz andere Stimme – ihren Rückruf für in etwa einer halben Stunde angekündigt.

Sie denken es sich sicher schon: Es war eine andere Frau Trautmann.

Damit hatte meine sich rasch legende Verwirrung denn auch schnell erklärt. Ob ich das Attachment habe öffnen können, fragte sie mich. Ich versuchte es und erklärte derweil, ich hätte das bislang offen gestanden noch nicht versucht, weil mir ja dankenswerterweise schon Herr Henning einen sehr ausführlichen Artikel mit den wichtigsten Infos geschickt habe. Es würde funktionieren – vielen Dank.

Nun merkte ich, dass Frau Trautmann verwirrt war. „Herr Henning?“ fragte sie mich, hörbar überrascht. Wie sich herausstellte, heißt Frau Trautmanns Azubi ebenfalls Henning – nur war das ein anderer Herr Henning als der, von dem ich gesprochen hatte…

Lustiger Zufall, finden Sie nicht auch?

Solche Telefonate mag ich gern. Und ich schwöre – ich habe es mir nicht ausgedacht! Würde ich auch gar nicht erst versuchen – viel zu konstruiert… Das wahre Leben ist eben besser, als jede Erfindung.

Auch und gerade in den kleinen und vielleicht wenig bedeutsamen Details. Zum Beispiel in dem, dass ich am selben Tag einen Krimi fertig gelesen hatte, in dem eine der großen wissenschaftlichen Theorien eine Rolle spielt, die Menschen sich ausdenken, um mit dem Phänomen Zufall zurechtzukommen: „Schilf“ von Juli Zeh. In den Fall sind zwei Physiker verwickelt – und eine Annahme, die Forscher als Viele-Welten-Theorie handeln. Die geht so: Es ist dermaßen unwahrscheinlich, dass es uns Menschen gibt, dass hierfür entweder ein höheres Wesen verantwortlich ist – „Gott würfelt nicht“, hat Albert Einstein ja auch mal erklärt – oder dass es ebenso viele Welten wie Möglichkeiten gibt – mit und ohne uns. Oder ganz viele Welten, in denen Sie und ich gerade nicht vor dem Computer sitzen, sondern woanders.

Der Zufall ist ja von jeher umso faszinierender, je unwahrscheinlicher er ist und je sinnvoller oder folgenreicher er aussieht. Ein bisschen hat das aber sicherlich auch mit Wahrnehmung zu tun, nehme ich an. Denken Sie mal an den Klassiker: Sie denken an jemanden und im Moment darauf ruft der Sie an. Klar, so was merke ich mir auch. Aber: Wie oft hat mich umgekehrt jemand, an den ich gerade gedacht habe, nicht angerufen? Oder hat mich jemand angerufen, an den ich nicht gedacht habe? Max Frisch sagte mal: „Es ist immer das fälligste, was einem zufällt.“

Auch das Finanzamt nutzt Zufallsfunde, so gut es geht. Mit welchen Methoden, das erfahren Sie heute hier. 

© Midia Nuri

Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a @ Verlag für die Deutsche Wirtschaft am 9. Juni 2009

Die Park-Probleme

Liebe Leserin, lieber Leser,

neulich war ich wieder in Köln. Parkautomat kaputt. Nach anderthalb Stunden hatte ich ein Knöllchen. Aus Köln bringe ich fast immer so einen Wisch nachhause. Es sei denn, ich fahre zu einer Werksbesichtigung und darf auf den Firmenparkplatz.

Kein Wunder: Immerhin ist Köln – hinter Offenbach – die Knöllchen-Hochburg.

In Offenbach war ich seit bestimmt sieben Jahren nicht mehr. Dort klemmen 127 Knöllchen pro 100 gemeldeten Fahrzeugen an den Windschutzscheiben, schreibt das Magazin der Zeit. In Köln 110 pro hundert. Vielleicht sagen sie sich dort: „Reparieren wir doch einfach die Automaten nicht mehr und schauen, wie viele Dummbattel bezahlen“. Wenn es um unter 15 Euro geht, werde ich wohl auch überweisen. Freut den Stadtkämmerer…

Besonders lustig ist es übrigens in Mönchengladbach. Jedenfalls vor ein paar Monaten, als ich mal wieder dort war. Abends wollten wir ins Kino. Da es nur noch zwei für Rheydt und MG zusammen gibt, mussten wir samstagabends in die Gladbacher Altstadt. Mit dem Auto! Ein bisschen habe ich mich gefühlt wie in „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Als wir jenseits der Einkaufszone Hindenburgstraße nach einer Parklücke suchten, kamen wir nicht mehr heraus. Es ging nur noch rechts – oder falsch herum in Einbahnstraßen. Ausnahme: eine Anliegerstraße, die auf die für Busse gedachte Hindenburgstraße führte… Also immer im Kreis, brav rechts.

Wenn wir wenigstens einen Parkplatz gefunden hätten, wäre es ja gut gewesen…

Vor und hinter uns wälzte sich eine Kolonne. Mindestens ein halbes Dutzend Autos, die auch suchten. Rein in den Parkplatz. Aber was da gerade rauskam, hatte auch nur gesucht. Also selbst wieder raus. Der nächste rein. Und rechts, und wieder rechts. Bestimmt sechs Runden lang. Kein Ausweg in Sicht.

Spätestens da habe ich den Cartoon aus der Rheinischen Post vom Morgen verstanden. Da saß ein Autofahrer mit Handy am Ohr am Steuer, um ihn herum ganz viele Verbots- und Umleitungsschilder und in der Sprechblase stand: „Schatz, es wäre besser, Du würdest mir das Mittagessen einfach kurz mit dem Fahrrad vorbeibringen.“ So sah es aus! Wie es heute ist, weiß ich nicht. Sicherlich sind sie dort von der ganz fixen Sorte und das Drama hat sich lääängst gegeben…

Immerhin, wir hatten Glück. Irgendwann fiel mir eine einsame Straße linkerhand auf. Nur Bäume und Häuser. Bei näherem Hinsehen: lauter freie Parkplätze. Ein einsames Auto unter den Bäumen, der Rest war frei. Unglaublich. Aber klar: An der Ecke stand ein Durchfahrt-Verboten-Schild. Wir also einfach falsch herum rein, geparkt und gerade noch rechtzeitig zum Film gekommen. Als wir zu Fuß an dem Stocher-Parkplatz vorbeikamen – einer raus, einer rein, das alte Spiel war noch im Gange – haben wir den bedauernswerten Insassen eines Kombis erklärt, aus der Nummer kämen sie nur raus, wenn sie da vorne illegal links abbiegen.

Was die uns dankbar waren – den Blick werde ich wahrscheinlich nie vergessen….

Sie machten nicht einmal mehr die Runde, sondern setzten gleich aus dem Stand die 30 Meter zurück. Ob das alles die Wirtschaftskrise schuld ist? Zur Zeit bauen sie ganz viel, weil das Geld aus den Konjunkturpaketen weg muss. Bei der Beschilderung und den Automaten brauchen nicht so aufzupassen – im Zweifel schwemmen Fehler und blöde Straßenführungen weiteres Geld in die Kassen. Hört sich doch nach einer praktischen Lösung für die Steuersenkungsversprechen an. Immerhin: In Mönchengladbach gab es am Ende kein Knöllchen.

© Midia Nuri

Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a @ Verlag für die Deutsche Wirtschaft (VNR) am 23. November 2009

PC zum Mond

Liebe Leserin, lieber Leser,

wussten Sie, dass die Mond-Mission vor 40 Jahren fast an Softwareproblemen gescheitert ist?

Die Nasa ist ja ein hochexklusiver Haufen, die besten Wissenschaftler. Aber eben nur Menschen. Die sich offenbar mit so alltäglichen Kinkerlitzchen wie elektronischen Schaltkreisen oder der Bordsteuerung nicht so intensiv befasst hatten.

„Jetzt nur noch schnell den Bordcomputer rein“, so wird man sich vielleicht damals gedacht haben.

Computer füllten zu der Zeit noch ganze Räume. Sie spuckten stapelweise Papier aus, wenn sie arbeiteten. Das taten sie mit eher steinzeitlichen elektrischen Signalen aus Kupferschlaufen und Lochspeichern. Kupferschlaufe durch Loch gleich: Eins. Kupferscheibe an Loch vorbei gleich: null.

Dauerte irrsinnig lang und war zu groß und schwer für die kleine Apollo-Raumfähre.

Hat man den Computer eben ein bisschen abgespeckt und die mutigen Astronauten mit einem besseren Taschenrechner ins All geschickt.

Nur zum Vergleich. Ihr kleiner Rechner schiebt die Daten aus Ihren sieben geöffneten Fenstern in giga- oder gar terrabytegroße Arbeitsspeichern hin und her. Der Computer von Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins wog dreißig Kilo. Die Tastatur sah aus, wie die eines zu groß geratenen Taschenrechners – immerhin mussten Männer mit fleischwurstbreiten Handschuhfingern ihn bedienen. Und die Speicher? Verhielten sich dazu wie Dinosaurierhirn zu Dinosaurier: Der Hauptspeicher fasste 74 Kilobyte, der Arbeitsspeicher: vier.
Und das merkte man auch. Kurz vor der Landung kam bei Neil Armstrong und Buzz Aldrin in der Mondlandefähre Eagle Hektik auf: Die Kommunikation mit der Erde brach immer wieder ab, weil sich eine Antenne nicht ausrichtete. Der Bordcomputer zeigte an, er sei überlastet. Armstrongs Puls: 150 Schläge pro Minute.

Gut, es hat funktioniert. Das wissen wir ja nun zur Genüge.

Eher weniger wissen wir dagegen über den unterhaltsamen Hickhack zwischen der Nasa und dem renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort baten die Nasa-Verantwortlichen offenbar kurz vor knapp um Hilfe. Man dachte wohl: Kein Problem, fragen wir mal die Jungs vom MIT.

„So können wir nicht arbeiten“, sollen die gesagt haben.

Nasa-Mann an Vorgesetzten: „Das MIT versagt.“

MIT an Nasa: Man wundere sich schon, dass die Nasa für den Mondflug einen Computer braucht und keine Grundlagenforschung betreibt…

Einiges an dieser historischen Mission war eben doch sehr irdisch. Vielleicht tröstet Sie das ja auch, wenn Sie sich mal wieder fragen, ob das gerade jetzt vielleicht doch diese eine kleine Verzögerung zuviel für Ihr Projekt gewesen ist…. Gaaanz ruhig. „Et hät noch immer jotjejange“, wie der Kölner an sich gern sagt.

© Midia Nuri

Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a @ Verlag für die Deutsche Wirtschaft (VNR) am 21. Juli 2009

Ausgerechnet Bananen!

Liebe Leserin, lieber Leser,

wissen Sie, woran ich denken muss, wenn ich Donald Duck sehe? An Bananen.

Das kommt so. Als Kind – zweite, dritte Klasse ungefähr – habe ich gern die lustigen Taschenbücher gelesen. Mit Mickey Maus, aber lieber noch mit Donald und seinen Neffen. Einmal haben Tick, Trick und Track sich auf die Spur einer ganz besonderen Frucht gemacht: einer Banane mit vier Geschmacksrichtungen. An mehr erinnere ich mich nicht. Wahrscheinlich das übliche: pfiffige Neffen, tapsiger Onkel Donald, cholerischer Großonkel Dagobert, vielleicht noch die liebreizende Daisy oder der erfinderische Gustav Gans. Irgendsowas eben. Fasziniert hatte mich die Banane. Die sollte nach Banane, Erdbeer und zwei weiteren leckeren Obstsorten schmecken. Das habe ich mir himmlisch köstlich vorgestellt. Und gehofft, ich würde mal so eine leckere Banane erwischen. Mir sogar überlegt, ob man so was züchten kann.

Das ist jetzt eine ganze Weile her. Mein Verhältnis zu Bananen – gelegentlich esse ich sie gern, ja – hat sich beruhigt. Das zu Zeichentrick-Enten erst recht.

Vor einigen Monaten habe ich mich mal gewundert, dass es die Taschenbücher noch in der ein oder anderen Lottoannahmestelle zu kaufen gibt. Wie früher… Und dieser Tage kommt man plötzlich gar nicht mehr drumherum: um den Erpel.

Vor ziemlich genau 75 Jahren hatte der nämlich seinen ersten Auftritt, in einem Kurzfilm fürs Kino. Damals noch schmaler und weniger kindlich, aber schon gewohnt tollpatschig, jähzornig und faul – lustig und liebenswert eben. Ein Underduck.

Nun also sein 75. Geburtstag. Der Hype um das Federvieh scheint mir bei den zahllosen Konkurrenten – Clownfische, Schwammwesen sowie Mädchen, Jungs und Meerjungfrauen – leicht abgeflaut. Ein Häuflein Begeisterter frönt dem exzessiven Donaldismus weiter: Die Donaldisten (D.O.N.A.L.D. = Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus). Sie betreiben Neffenforschung sowie Entenhausener Soziologie und zeichneten in jahrelanger Kleinarbeit eine Landkarte von Entenhausen. Alles eingezeichnet: die Bahamalulubucht ebenso wie das Wirtshaus „Zum blutigen Butt“ oder die Margarinenfabrik – und natürlich einschlägig bekannte Wohnhäuser, Geldspeicher und Forschungslabore. Auf ihren Treffen klatschen Donaldisten nicht nach den Redebeiträgen, sondern rufen „Klatsch klatsch“.

Keine falschen Schlüsse: Es handelt sich offenbar großteils um Intellektuelle. Wenn Feuilleton-Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor Jahren über merkwürdige Überschriften stolperten, die aber auch gar nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun hatten, war das ein freundlicher Gruß eines der beiden Donaldisten in der Redaktion. Beispiele sind schwer zu finden, weil die Überschriften ja inhaltlich nichts zu sagen hatten – sie könnten vielleicht so ausgesehen haben:

„Und lieg ich dereinst auf der Bahre, dann denkt an meine Guithare“

oder auch so:
„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr!“ Über die ganze Seitenbreite, versteht sich.

Kicher kicher.

Räusper.

Dass Donald es sich in der Gunst gerade kluger Menschen bequem gemacht hat, mag an seinen gelegentlichen Erleuchtungen liegen. So watschelt er einmal als Straßenkehrer durch Entenhausen und stellt fest: „Nichts als Wirtschaftswunder und Wirtschaftswundermänner, wohin man schaut! Trotzdem muss einer den Schmutz wegkehren, der dabei anfällt.“ Oder: „Vier Dollar sind wenig, wenn man sie hat, aber ’ne Menge, wenn man sie nicht hat.“ Klatsch Klatsch.

Herzlichen Glückwunsch. Und bitte keine Rente für die Ente!

© Midia Nuri

Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a @ Verlag für die Deutsche Wirtschaft (VNR) am 15. Juni 2009

Glühbirnenwitze

Liebe Leserin, lieber Leser,

neulich habe ich da diesen Goldman-Witz gelesen und gedacht: Jede Zeit hat ihre Witze.

Wie Sie bestimmt noch wissen, ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC gegen die Investmentbank wegen Betrugs. Goldman soll Kunden nicht über die Risiken der hochkomplexen Ramsch-Hypothekenprodukte aufgeklärt haben, die sie da unter anderem an die Pleitebank IKB verschachert haben. Milliardenschäden. Und dann erklärte Goldman-Chef Lloyd Blankfein, die Banker verrichteten nur Gottes Werk …

Und dann war da dieser Witz: „Wie viele Goldman-Sachs-Banker braucht es, um eine Glühbirne auszuwechseln?“

Na? Die Antwort: „Zwei. Einen, der die kaputte Birne rausschraubt. Und einen, der sie unterdessen rasch einem anderen andreht.“ Ha ha. Toll! Da wollte ich doch gleich mal nachschauen, ob es vielleicht noch mehr solcher sinnigen Witze gibt. Im Trend scheinen aber nicht Goldman-Witze zu liegen, sondern Glühbirnen-Witze.

Sie glauben ja gar nicht, wie viele Glühbirnen-Witze es gibt.

Den über Microsoft kannte ich schon: Wie viele Microsoft-Mitarbeiter braucht man, um eine kaputte Glühbirne auszutauschen? Keinen. Microsoft erklärt einfach die Dunkelheit zum neuen Standard.

Es gibt noch mehr. Über alle erdenklichen Berufs- und sozialen Gruppen. Richtig gut scheinen zur Zeit auch Glühbirnen-Witze über Ärzte zu gehen. Gleich mehrere. Die Antwort mal so, mal so – wahrscheinlich je nach Fachrichtung: „Keinen. Sie soll erst einmal zwei Aspirin nehmen und zur nächsten Untersuchung wiederkommen.“ Bestimmt mit Blick auf Hausärzte, wahrscheinlich auf dem Land. Oder hier: „Nur einen, aber er braucht eine Krankenschwester, die ihm sagt, welches Ende er reinschrauben soll.“ Ich tippe auf Psychiater oder Neurologen. Irgendjemand eben, der mehr redet als Spritzen setzt. Oder diese Antwort: „Einen, um einen Birnen-Spezialisten zu finden. Einen, um einen Birnen-Wechsel-Spezialisten zu finden, und einen, um die komplette Rechnung an die Krankenkasse zu schicken.“ Fachärzte nehme ich an. Oder Amtsärzte. Oder Ärztefunktionäre. Wer weiß.

Auch über Microsoft gibt es mehrere Witz-Fassungen. Lange Antwort: „Vier. Der erste ersetzt die Birne, der zweite ändert die Fassung so, dass Netscape-Glühbirnen nicht reinpassen, der dritte baut eine Kurzschlussautomatik ein, die ausgelöst wird, wenn jemand eine Glühbirne von Sun einsetzen will. Und der vierte überzeugt das amerikanische Justizministerium, dass das alles fairer Wettbewerb ist.“. Kurze Antwort: „Keinen, sie rufen bei Intel an, weil es ein Hardwareproblem ist.“

Natürlich gibt es auch einen Glühbirnen-Witz über Journalisten. Den will ich Ihnen nicht vorenthalten … Die Antwort: „80. Einer wechselt die Birne aus und die anderen 79 wollen zu dem Termin gern auf die Gästeliste.“

Richtig zeitgemäß schien mir aber der Witz über die Bundestagsabgeordneten zu sein. Antwort: „Wir sind nicht bereit und in der Lage, zu diesem Zeitpunkt genaue Zahlen zu nennen.“ In Gedanken ergänze ich schon: „Die europäischen Regierungschefs werden am Wochenende eine Lösung finden. Dann wird das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob die Lösung verfassungsgemäß ist …“

© Midia Nuri

Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a @ Verlag für die Deutsche Wirtschaft (VNR) am 8. Juni 2010

Geschenke für die Kinder-Kalkulator

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie etwa auch noch nicht die Weihnachtsgeschenke für Ihre Kinder? Seien Sie froh. Ob Ihr Kind das Geschenk toll finden oder es nach zwei Tagen achtlos in der Ecke liegen wird, können Sie so nun noch vorher ausrechnen.

Klingt toll, nicht wahr?

Gerade rechtzeitig zum Fest hat nämlich der Psychologe Cliff Arnall vom Zentrum für lebenslanges Lernen an der Cardiff University im britischen Wales eine Rechenmethode hierfür entwickelt. Bis Sie in Ihre Jacke schlüpfen dürfen, dauert es aber noch. Am besten holen Sie sich Ihren Taschenrechner und ein Blatt Papier.

Und fragen für Risiken und Nebenwirkungen Ihren Arzt oder Apotheker…

So, ich nehme an, Sie sitzen. Also. Erst müssen Sie das anvisierte Geschenk nach sechs Kriterien bewerten: Wie nützlich ist es beim Alleinspielen (Pi)? Wie nützlich ist es beim Spiel mit anderen (Po)? Fördert es die Kreativität (Cr)? Welchen Wert hat es für die soziale Interaktion (S)? Ist es allgemein nützlich (U)? Und: Kann es später mal an das Brüderchen oder Schwesterchen vererbt werden (H)?
Nun dürfen Sie sich aussuchen, mit wie vielen von insgesamt je fünf Punkten Sie jedes der verschiedenen Kriterien bewerten. Dann zählen Sie die Punkte zusammen. So weit, so einfach. Als nächstes schätzen Sie, wie viele Stunden Ihr Kind regelmäßig mit dem Geschenk spielen wird (T). Diesen Wert multiplizieren Sie mit der Zahl der Monate, die das Spielzeug Ihrer Einschätzung nach interessant für Ihr Kind sein wird (L).

Was, Ihr Kind ist zu unberechenbar?

Das müssen Sie ihm aber ganz schnell abgewöhnen, wenn Sie dieses Jahr noch zu Ihrer Geschenkidee kommen wollen…

Kleiner Scherz. Meins auch. Vielleicht schätzen wir einfach mal. Möglicherweise haben Sie ja auch schon Erfahrungswerte mit vergangenem Spielzeug? Sonst schreiben Sie einfach für jedes Kriterium eine halbwegs plausible Zahl aufs Papier. Die müssen Sie nun durch die Quadratwurzel der Kosten für das Geschenk dividieren. Und dann mit der vorher errechneten Summe addieren. Nochmal die Formel zum Mitschreiben: T x L + Pi + Po + Cr + S + U + H geteilt durch die Quadratwurzel von C.

Fertig. Nun wissen Sie, ob das Geschenk sich lohnt. Falls nicht, rechnen Sie einfach noch mal für die nächste Geschenkidee durch. Sowas rechnen Psychologen heutzutage aus!

Ist das nicht Wahnsinn?

Ich weiß gar nicht, ob ich das nun beeindruckend oder schockierend finden soll… Wahrscheinlich richten wir alle unsere Geschenkentscheidungen irgendwie sowieso nach diesen Faktoren aus. Und verfahren dabei eben nur nach der Pi-mal-Daumen-Formel. Wenn ich mir den Wahnsinn spaßeshalber antue, gebe ich mir maximal bis Ende der Woche. Nicht dass ich vor lauter Rechnen nicht zum Geschenkeinkauf komme… Ihnen wünsche ich beim Aussuchen viel Erfolg und ein glückliches Händchen. Und eine angenehme und entspannte Vorweihnachtszeit.

© Midia Nuri

Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a @ Verlag für die Deutsche Wirtschaft (VNR) am 7. Dezember 2009

Kawumm!

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie und Ihre Schulkameraden sich damals auch gegenseitig erzählt, ein Stück Fleisch löse sich in einem Glas Cola binnen einer Stunde restlos auf?

Ich habe das dann mal mit einem Stück Hühnchen ausprobiert. Nach einer Stunde war es noch da. Ich habe damals angenommen, es hätte vielleicht daran gelegen, dass das Fleisch gut durchgebraten war. Ein rohes Stück hatte ich dann gerade nicht zur Hand und habe das Experiment dann vergessen.

Heute erzählen sich die Schulkinder anscheinend, Cola und Mentos zusammen bringe Kinder um. Angeblich soll ein zehnjähriger Brasilianer gestorben sein, nachdem er eine Flasche Diätcola getrunken und ein Mentos-Bonbon gegessen haben soll.

Gruselig, dachte ich da. Hoffentlich probiert das bloß kein Schulkind aus …

Dem Schulkind würde allerdings wohl nicht mehr zustoßen, als meinem Stück Fleisch damals – es würde vielleicht ein wenig blass werden, sonst nichts. Denn die Geschichte ist offenbar nur noch so ein Cola-Mythos. Stand jedenfalls im Internet. Diverse Seiten erklären sich den Mythos mit den vielen Raketenexperimenten, die Menschen in aller Welt seit einiger Zeit mit Cola light und Mentos unternehmen. Was sprudelt wie Wasser in Salzsäure, ist sicher auch tödlich wie Salzsäure, denken offenbar ganz viele Menschen. Vielleicht erinnern Sie sich ja noch: Sie nehmen ein Mentos und lassen es schön langsam in eine Flasche Cola light plumpsen. Das gibt eine sehr hübsche Fontäne. Fast vier Meter hoch …

Probieren Sie das nur bitte nicht in Ihrer Kaffeeküche – gibt Ärger mit der Putzkolonne …

Natürlich können Sie sich das auch einfach im Internet angucken. Ganze Schulklassen stellen ihre Versuchsvideos online. Bis Sie alle Mentos-Coke-Videos bei Youtube durchgeguckt haben, ist wahrscheinlich Wochenende …

Ein Video lohnt sich aber auf jeden Fall: das mit dem Mentos-Cola-Raketenauto.

Das haben zwei Wissenschaftler konstruiert. Die beiden Amerikaner haben sich vor einiger Zeit zur Produktionsfirma „Eepy Bird“ zusammengetan und filmen seither lustige Experimente ab, gleich mehrere zu Cola und Mentos. Von denen werden sie auch gesponsert. Klar, so viele Brausegetränke gehen sicher ins Geld … Trotzdem lohnt sich das Anschauen. In dem Filmchen stellen die beiden Daniel Düsentriebs aus einem Fahrradwägelchen, 108 Flaschen Coke Zero, 648 Mentos-Bonbons sowie diversen Plastikrohren aus dem Baumarkt das Raketenauto her. Bei Eepybird.com steht über dem Video, man solle das nicht ohne professionelle Hilfe selbst ausprobieren.

Fragen Sie sich nun auch, unter welchem Stichwort man da wohl in den Gelben Seiten suchen müsste? Egal. In jedem Fall sollten Sie aber für das Raketenautoexperiment nicht nur die Kaffeeküche meiden, sondern unbedingt auch noch 70 Meter Platz in Fahrtrichtung lassen. So weit fuhr das Raketenauto (221 Fuß = 67,3608 Meter) nämlich …

© Midia Nuri

Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a @ Verlag für die Deutsche Wirtschaft (VNR) am 17. Juni 2010