Mafiamethoden, hausgemacht

vor einiger Zeit habe ich mal in irgendeiner Eltern- oder Frauenzeitschrift das Bekenntnis einer Mutter gelesen, sie wende zuweilen mafiöse Erziehungsmethoden an.

Sie lüge, drohe, erpresse und besteche ihre Kinder gelegentlich.

Die Schnullerfee ist in vielen Familien schuld, wenn der geliebte Tröster irgendwann verschwindet. Die Aussicht, dass die Sonne womöglich nicht scheint, wenn der Teller nicht leergegessen wird, animiert heute noch viele Kinder zum Aufessen. Und in manchen Kinderzimmern drohen unheimliche Wichtel einzufallen, die alles Spielzeug aufessen, das nachts noch auf dem Boden liegt. Der Klassiker sind ja die – immerhin tatsächlich existierenden – bösen Bakterien, die die schönen Zähne kaputtmachen, wenn das Kind sie sich nicht putzt.

Die hohe Schule der Elternkunst ist das sicher nicht.

Aber vielleicht behelfen Sie sich ja auch zuweilen auf bequeme Weise, wenn Sie Kinder haben. Machen wahrscheinlich die meisten Eltern hier und da. Wenn auch wahrscheinlich nicht so, wie die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern im Städtchen Washougal im US-Bundesstaat Washington, von denen ich da vor ein paar Tagen bei tagesschau.de gelesen habe. Die wollen gerade Geld für den Schulabschlussball sammeln.

Was läge da näher, als ein bisschen Schutzgeld zu erpressen?

Über Nacht stellen die Schüler den Anwohnern der Gemeinde Flamingoattrappen in den Vorgarten. Die Plastiktiere entfernen zu lassen, kostet eine, nun: „freiwillige Spende“. Immerhin: Wer die nicht aufbringen will, bei dem verschwinden die lachsfarbenen Vögel nach 48 Stunden von selbst. Wer aber die – äh: empfohlenen 20 Dollar bezahlt, dem schaffen die Schüler die Vögel nicht nur flugs aus den Augen. Der darf sogar bestimmen, wem sie als nächstes in den Vorgarten gestellt werden.

Und das alles wohlgemerkt unter Aufsicht der Eltern.

Wer fürchtet, für eine Vogelvisite vorgeschlagen zu werden, kann sich gegen diese ornithologische Unbill versichern. Eine entsprechende „Police“ – gibt es bei der Washougal High School für 5 Dollar zu kaufen. Gut fände ich, wenn sie dann auch beim Abschlussball alle mit Sonnenbrillen und schwarzen Blues Brothers-Anzügen herumliefen. Wirkt stilechter.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 21.10.2010, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html