Glücksspiel

ich habe einen neuen Nebenjob: Merkwürdige Marken auf komische Zettel kleben.

Das kam so: Vor vielen Monaten flatterte mir eine unwiderstehliche Einladung ins Haus: für die Teilnahme am Gewinnspiel des deutschen Ablegers eines bekannten amerikanischen Verlags mit Zeitschriften und diversen Büchern im Angebot.

Sie ahnen es: Mein Spieltrieb schlug zu.

Und die überdimensionale Karotte vor der Nase wirkt auch: Lebenslange Sofortrente hier, hohe Einmalgewinne da und dort und drüben auch noch mal. Kein Risiko weit und breit. Und fast nichts dafür tun…

Super, glauben Sie nicht auch? Wirklich toll. Nur rasch eben diese drei Marken auf das beigelegte Papier kleben, in den verschlossenen, aber nicht verklebten Umschlag stecken und an den Verlag schicken.

Und noch mal: aufkleben, zu und weg. Und noch mal. Und noch mal. Und…

…so geht das nun seit Monaten. Alle paar Wochen eine neue, im Ton immer letztmaliger klingende Ankündigung, die Ziehung der Gewinner stehe nun kurz oder unmittelbar bevor. Nur noch einmal: Märkchen aufkleben und das ganze zurück an den Verlag und seine Auszahlungsbeauftragte mit dem langen Doppelnamen schicken. Wie gesagt, seit Monaten.

Immer mehr Märkchen, immer mehr Seiten. Ein zunehmender Wust.

Dieses Spielchen werde ich nun schon mittlerweile ein halbes Dutzend mal mitgemacht haben, eher öfter. Habe leider vergessen mitzuzählen. Mittlerweile weiß ich: Es wird nicht bei diesem einen letzten Brief bleiben.

Aber was tun? Wenn ich aufhöre, war das ganze Geklebe vergebens.

Wenn auch leider nicht umsonst. Schon das Porto. Ja, genau. Ich traue mich kaum, es zuzugeben: Ich habe auch noch Briefmarken auf die Umschläge draufgeklebt. Ganz zu schweigen von der investierten Zeit. Sind zwar nur Minuten, aber die summieren sich ja auch.

Mein Verdacht: Die Post kassiert mit. Ich werde nie wieder bei etwas mitspielen, das Porto kostet. Sonst passe ich ja auch grundsätzlich in so einem Fall. Nichts, bei dem die SMS oder Anrufe 50 Cent kosten! Aber auf Briefmarken war ich noch nicht sensibilisiert.

Hier einen Deal zu machen, ist bestimmt ein grandioses Geschäft. Und wahrscheinlich auch das viele Papier mehr als wert. Gerade in Zeiten der Krise, in der vielleicht die Briefflut abebbt – aber nicht die Hoffnung, auf leicht verdientes Geld. Keine Sorge – sonst neige ich glücklicherweise nicht zur Spielsucht.

Mittlerweile pappe ich meine Marken auch nur noch drauf, weil ich neugierig bin.

Ehrlich… Wie lange sie das Spielchen wohl noch treiben werden? Ob sie weitermachen, bis keiner mehr durch den Papierdschungel steigt? Ob dann noch viel Zeit für die womöglich gewonnene Rente bleiben wird?

Natürlich ist da noch dieses Fünkchen Hoffnung, dass das jetzt vielleicht doch der letzte Aufkleber und der letzte Umschlag war. Angeblich soll es ja schon mehrmals Gewinner gegeben haben… Das werde ich beizeiten mal recherchieren. Wenn gerade Zeit ist… Schließlich muss ich ja Marken kleben. Und nebenbei ein bisschen Geld verdienen.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 30.11.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html