Fluchtszenen

zu einer guten Räuberpistole gehört eine ordentliche Flucht, finden Sie nicht auch?

So richtig schön traditionell mit Auto, hohem Tempo und vielen Kurven. Am besten eine halsbrecherische Verfolgungsjagd. Mindestens merkwürdig finstere Verfolger im Rückspiegel. Und wenn’s  geht bitteschön auch eine Fahrt durch schmale Gassen und Unterführungen. Vielleicht noch mit über den Haufen gefahrenen Mülltonnen, Feuerlöschern oder Autobahnabgrenzungen. Und so weiter. Sie wissen schon.

Macht doch Spaß zu gucken…

Daher wollen wir verspätet des 27. Oktobers 1901 gedenken. An diesem Tag vor gut 108 Jahren fand der erste Raub mit Fluchtauto statt, in Paris. Was genau da geraubt wurde und wie die Flucht lief, ist mir nicht überliefert. Auch ob die Sache wirklich stimmt, ließ sich leider nicht zweifelsfrei klären. Aber schließlich können wir es uns alle bestens vorstellen. Immerhin haben sich Legionen von Regisseuren und Räubern inspirieren lassen, zu zillionen Filmen.

Außerdem droht diese schöne Tradition nun offenbar in Vergessenheit zu geraten.

Stellen Sie sich mal vor: Da ist ein 23-Jähriger vor ein paar Tagen in ein Sanitätshaus eingebrochen. Ja genau, Sanitätshaus. In Schleswig-Holstein. Nein, nicht etwa Apotheke oder Kiosk.

Und wissen Sie, in was der Täter geflüchtet ist?

Kommen Sie, das liegt doch jetzt nahe, oder? Klar, in einem Rollstuhl. Unglaublich oder? Da hat der junge Mann wahrscheinlich die Technik überschätzt – immerhin hatte er sich einen Elektrorollstuhl ausgesucht. Zwei Straßen weit kam er, dann hatte ihn die Polizei eingefangen.

Der Verbrecher-Nachwuchs von heute…

Ist wahrscheinlich einfache praktische, logistische Überlegungen gar nicht mehr gewohnt. Misst wahrscheinlich Geschwindigkeit auch nur noch in Bits pro Sekunde und nicht mehr in Stundenkilometern.

Das scheint andererseits aber auch ganz lohnenswert zu sein.

Immerhin übertreffen die Umsätze von Cybercrime – also online mit dem Computer begangenen Verbrechen – mittlerweile die des weltweiten Waffenhandels, habe ich vor ein paar Tagen gelesen. Im Cybercrime Intelligence Report des Sicherheitsdienstleisters Finjan berichteten sie von einer Bande, die binnen weniger Tage mithilfe von Trojanern – das sind diese als harmlos getarnten Schadprogramme, die die Kontrolle über Ihren Rechner übernehmen und hinter Ihrem Rücken Überweisungen tätigen können – und Geldkurieren mehr als 300.000 Euro in drei Wochen erbeutet hat. Neue Zeiten, neue Verbrechen. Und wahrscheinlich weniger Fluchtfahrzeuge.

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 03.11.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html