Diät-Futter

wussten Sie eigentlich, dass es Low-Fat-Katzen-Biskuit gibt?

Ich wusste es nicht. Ich habe ja auch keine Katze. Ich musste erst auf der Internetseite des britischen Telegraph davon lesen. Da stand, dass der Albino-Igel Snowball, den sie vor kurzem irgendwo aufgelesen haben, jetzt mit ebendiesen Katzenbiskuits auf Diät gesetzt wurde. 38 Gramm habe er schon abgenommen. Da hat er aber noch einiges vor sich. Denn da stand auch, dass Snowball mit seinen anderthalb Kilogramm gleich dreimal mehr wiegt als normale Igel.

Der arme Snowball. Und das zur Weihnachtszeit, in der die Nichtalbino-Kumpels liebevoll mit Katzenfutter, Nüssen und Hackfleisch gepäppelt werden.

Keine Milch, habe ich auch zuerst gedacht…

Aber ich dachte ja eigentlich auch, die Adventszeit sei nicht ideal für eine Schlankheitsdiät. Geschweige denn, dafür Werbung zu machen. Ich hätte da eher auf die Zeit zwischen den Jahren als lohnenswertes Zeitfenster getippt. Stimmt aber wohl nicht. Zumindest nicht in den USA. Dort geistern zur Zeit gleich mehrere große Werbekampagnen durch Fernsehen, Internet und Magazine: für Keksdiäten.

Keksdiät ist in der Adventszeit allerdings fast schon wieder sinnig.

Das Wall Street Journal (WSJ) hat sie sich denn gleich auch mal genauer angeguckt – und gejammert: keine Schokostreusel, keine Lebkuchenmänner. Nur „abgepacktes Kekszeug durchtränkt mit Glycerin- und Proteinpulver.“ Ob die Diät wenigstens etwas bringt, wage ich nach der Lektüre des Artikels auch zu bezweifeln. Wenig optimistisch erinnert die Zeitung an längst vergangene Eiscreme, Grapefruit- oder Trinkdiäten. Mich hat vor ein paar Jahren die Schokoladendiät spontan begeistert, als ich im Autoradio von ihr hörte. Bis dann zum Schluss der Hinweis kam, dass man bei dieser Diät nur – sprich: ausschließlich – Schokolade essen darf. So kommt man dann wahrscheinlich auch zu seinem Gewichtsverlust, glauben Sie nicht auch? Denn welcher selbst noch so exzessive Schokoholiker kann schon über Wochen und Monate hinweg so große Mengen Schokolade zu sich nehmen, dass er sein Gewicht hält? Am besten ist sowieso die Mittelmeerdiät, zitiert das Blatt ein ernährungswissenschaftliches Zentrum. Obst, Gemüse, Vollkorn, Eiweiß. Einfach gesund essen eben.

Weiß man ja – ausgerechnet zu Weihnachten will man es aber vielleicht nicht hören…

Der Erfolg von Diäten mit nur einem Lebensmittel gilt dagegen als schlecht bis mäßig. Meines Wissens nach müssen sich sowieso alle Diäten, bei denen man nicht seine Ernährungsgewohnheiten ändert und sich mehr bewegt, den Vorwurf gefallen lassen, langfristig zu womöglich noch größerer Dickmoppeligkeit zu führen. Die Frage nach klinischen Studien für die hochwissenschaftlich gebackenen Kekse – die Wochenration kostet 50 bis 70 Dollar – ist daher doch berechtigt, finden Sie nicht auch. Führte aber zu lustigen Reaktionen der Anbieter.
Die fragten gleich zurück, was es denn da zu studieren gebe…

Wenige Kalorien, wenige Kohlenhydrate – dass das funktioniere, sei doch unstrittig. Und überhaupt: Ihre Vitamine sollten sich die Kunden eben anderswo besorgen. Ein weihnachtlich mildes Fazit zieht das WSJ dann überraschend trotzdem: Letztlich sei es mit den neuen Keksdiäten wie mit allen vorherigen Diäten auch: Bei manchen wirkt sie, bei manchen nicht. Und was zählt, sei sowieso stets die Hoffnung…

aus: Newsletter Steuern und Bilanzierung bei BWRMed!a vom 15.12.2009, Archiv: http://www.bwr-media.de/newsletter/sub/archiv.html