Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a am 7. Januar 2010

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

hätten Sie gedacht, dass der Diebstahl urheberrechtlich geschützter Produkte im Internet – Texte, Bilder, Musikstücke, Filme – nicht nur zu Umsatzverlusten bei Urhebern und Verlagen führt, sondern womöglich zu geographischen Verwerfungen?

Davon zeugen zwei Beispiele: das britische Örtchen Argleton und die thailändische Insel Koh Chang, die keine zwei Berge besitzt.

Das mit den zwei Bergen ist rasch erklärt. Da hatte die thailändische Fremdenverkehrsbehörde für ihr sehr hübsches Eiland werben wollen. Klar, dass sie dafür ein ansehnliches Foto brauchte. Wahrscheinlich war gerade kein passendes Motiv zur Hand, deswegen behalf man sich mit einem hübschen Foto irgendeiner anderen Insel.

Geht ja mit dem Internet ganz schnell und leicht...

Nur leider hatte man wohl vergessen, eine Hügelkette aus dem Foto herauszuradieren. Was mit der entsprechenden Software ebenfalls ganz leicht geht. Dass Koh Chang nun, anders als auf der Fremdenverkehrsseite gezeigt, gar keine zwei Hügel hat, wäre ohne Globalisierung wohl höchstens dem ein oder anderen Touristen aufgefallen. Der hätte es vielleicht auf die Erderwärmung geschoben... So indes sah es der Brite Ian McNamara, der auf Koh Chang eine kleine Pension betreibt. Und nicht nur das: Er erkannte sogar die falschen Hügel – aus seiner alten Heimat: der Insel Berneray in den schottischen Hebriden, 10.000 Kilometer entfernt.

Glück für die Thailänder: Die schottischen Kollegen nahmen den Bilderklau sportlich.

Imitation sei die ehrlichste Form der Schmeichelei, ließen sie die Zeitung „The Scotsman“ wissen. Gut gegangen – so etwas geht sonst rasch ins Geld. Schließlich nimmt nicht jeder Urheberrechtsverstöße so leicht. Verstöße werden zunehmend hart geahndet – und mit diversen Hilfsmitteln zu verhindern versucht. Mit einem elektronischen Wasserzeichen etwa. Oder auch mit Argleton, was zur geographischen Verwerfung Nummer zwei führte.

Sie finden das Örtchen bei Google Maps südlich der britischen Stadt Ormskirk, samt Postleitzahl. Diverse Verzeichnisse führen Argleton mit der Zahl der Einwohner und der Quadratkilometer auf. Aber wenn Sie mal an die Stelle heranzoomen, an der Argleton sein soll, ist da: nichts. Nur leeres Feld. Argleton ist ein geographisches Phantom, wie kürzlich zwei Forschen der britischen Edge Hill Universität auffiel.

Auch wie die nicht existierende Ortschaft in die Welt kam, ist rasch erklärt: Die niederländische Firma Tele Atlas, von der Google die Daten gekauft hatte, hatte Argleton seinerzeit erfunden, um so leichter Urheberrechtsverstößen auf die Spur zu kommen, berichtete die britische Zeitung „The Guardian“.

Wer Argleton auf der Landkarte hatte, hatte geklaut – so der Grundgedanke.

Der spätere Käufer Google will Argleton nun von der Landkarte tilgen. Doch anarchisch wie das Internet gestrickt ist, gründete sich eine Initiative zur Rettung Argletons. Mit einem Argument, das Ihnen nicht gefallen wird, falls Sie aus Bielefeld stammen. Man müsse nur fest genug daran glauben, dass Argleton existiert. Schließlich seien ja auch genug Menschen auf der Welt überzeugt, dass eine Stadt namens Bielefeld existiert, verweisen Argleton-Fans. Und dass Bielefeld nur ein Mythos ist, habe schließlich schon vor Jahren die tagesschau berichtet... 

 

 

© Midia Nuri