Editorial: erschienen im Newsletter Steuern und Bilanzierung von BWRMed!a am 15. Juni 2009

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wissen Sie, woran ich denken muss, wenn ich Donald Duck sehe? An Bananen.

Das kommt so. Als Kind – zweite, dritte Klasse ungefähr – habe ich gern die lustigen Taschenbücher gelesen. Mit Mickey Maus, aber lieber noch mit Donald und seinen Neffen. Einmal haben Tick, Trick und Track sich auf die Spur einer ganz besonderen Frucht gemacht: einer Banane mit vier Geschmacksrichtungen. An mehr erinnere ich mich nicht. Wahrscheinlich das übliche: pfiffige Neffen, tapsiger Onkel Donald, cholerischer Großonkel Dagobert, vielleicht noch die liebreizende Daisy oder der erfinderische Gustav Gans. Irgendsowas eben. Fasziniert hatte mich die Banane. Die sollte nach Banane, Erdbeer und zwei weiteren leckeren Obstsorten schmecken. Das habe ich mir himmlisch köstlich vorgestellt. Und gehofft, ich würde mal so eine leckere Banane erwischen. Mir sogar überlegt, ob man so was züchten kann.

Das ist jetzt eine ganze Weile her. Mein Verhältnis zu Bananen – gelegentlich esse ich sie gern, ja – hat sich beruhigt. Das zu Zeichentrick-Enten erst recht.

Vor einigen Monaten habe ich mich mal gewundert, dass es die Taschenbücher noch in der ein oder anderen Lottoannahmestelle zu kaufen gibt. Wie früher... Und dieser Tage kommt man plötzlich gar nicht mehr drumherum: um den Erpel.

Vor ziemlich genau 75 Jahren hatte der nämlich seinen ersten Auftritt, in einem Kurzfilm fürs Kino. Damals noch schmaler und weniger kindlich, aber schon gewohnt tollpatschig, jähzornig und faul – lustig und liebenswert eben. Ein Underduck.

Nun also sein 75. Geburtstag. Der Hype um das Federvieh scheint mir bei den zahllosen Konkurrenten – Clownfische, Schwammwesen sowie Mädchen, Jungs und Meerjungfrauen – leicht abgeflaut. Ein Häuflein Begeisterter frönt dem exzessiven Donaldismus weiter: Die Donaldisten (D.O.N.A.L.D. = Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus). Sie betreiben Neffenforschung sowie Entenhausener Soziologie und zeichneten in jahrelanger Kleinarbeit eine Landkarte von Entenhausen. Alles eingezeichnet: die Bahamalulubucht ebenso wie das Wirtshaus „Zum blutigen Butt“ oder die Margarinenfabrik – und natürlich einschlägig bekannte Wohnhäuser, Geldspeicher und Forschungslabore. Auf ihren Treffen klatschen Donaldisten nicht nach den Redebeiträgen, sondern rufen „Klatsch klatsch“.

Keine falschen Schlüsse: Es handelt sich offenbar großteils um Intellektuelle. Wenn Feuilleton-Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor Jahren über merkwürdige Überschriften stolperten, die aber auch gar nichts mit dem Inhalt des Artikels zu tun hatten, war das ein freundlicher Gruß eines der beiden Donaldisten in der Redaktion. Beispiele sind schwer zu finden, weil die Überschriften ja inhaltlich nichts zu sagen hatten – sie könnten vielleicht so ausgesehen haben:

„Und lieg ich dereinst auf der Bahre, dann denkt an meine Guithare“

oder auch so:
„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr!“ Über die ganze Seitenbreite, versteht sich.

Kicher kicher.

Räusper.

Dass Donald es sich in der Gunst gerade kluger Menschen bequem gemacht hat, mag an seinen gelegentlichen Erleuchtungen liegen. So watschelt er einmal als Straßenkehrer durch Entenhausen und stellt fest: „Nichts als Wirtschaftswunder und Wirtschaftswundermänner, wohin man schaut! Trotzdem muss einer den Schmutz wegkehren, der dabei anfällt.“ Oder: "Vier Dollar sind wenig, wenn man sie hat, aber 'ne Menge, wenn man sie nicht hat." Klatsch Klatsch.

Herzlichen Glückwunsch. Und bitte keine Rente für die Ente!

 

 

© Midia Nuri